Frontseitentauglich
Die Figuren unserer diesjährigen Weihnachtskrippe sind aus Zeitungspapier gefaltet. Im Wesentlichen handelt es sich um Seiten aus der Boulevardpresse. Um News also, die auf die Emotionen der Lesenden abzielen. Sie sind auf Sensationen aus.
So kann man sagen, dass Maria, Josef und das Christuskind hier aus lauter Schlagzeilen bestehen.
Das ist bemerkenswert, denn die vier biblischen Berichte über das Wirken Jesu werden als Evangelien bezeichnet, was nichts anderes bedeutet als „Gute Nachricht“ (griechisch „Euangelion“). Tatsächlich also News! Denn – so verkünden es diese Texte – durch Jesus sei das Reich Gottes angebrochen, der ersehnte Zustand des Friedens und der Gerechtigkeit.
Aber… wie zeigt sich das konkret? Das erwartete Friedensreich hat Jesus im römisch besetzten Palästina nicht gegründet. Er ist nach wenigen Jahren öffentlicher Wirksamkeit am Kreuz hingerichtet worden, und eine wirkliche Umwälzung hin zu Frieden in der Welt hat es auch seither nicht gegeben.
Nein, die Gute Nachricht des Neuen Testaments ist nicht frontseitentauglich. Vielmehr findet man sie in den vielen kleinen und eher unscheinbaren Geschichten, die über Jesus erzählt werden.
Z.B. in der über Zachäus: Man kann annehmen, dass dieser Mann extrem Mühe hatte, Menschen an sich heranzulassen. Jedenfalls wird er als jemand beschrieben, der sich selbst durch seine Tätigkeit als korrupter Zöllner von seiner Umgebung isoliert und vor allem Gegner:innen hat. Und auch als Jesus in seine Heimatstadt kommt, hält er sich diesen auf Distanz: Er klettert auf einen Baum und begutachtet den gerühmten Propheten von Weitem und gut versteckt. Jesus jedoch bleibt unter dem Baum stehen und fordert ihn auf, herunterzukommen. Er will nämlich an diesem Abend zu ihm kommen und bei ihm übernachten (Lukasevangelium 19, 1 – 10).
So ereignet sich die Gute Nachricht in kleinen Wundern wie diesem, in denen sich die Selbstisolation von Menschen aufweicht und Bejahung, Freundschaft, Liebe und Nähe möglich werden.
Abb: Philippinische Zeitungspapierkrippe, Detail, Krippenwelt Stein am Rhein. Foto: Bahnhofkirche
