Geh – und lebe
Im Evangelium dieses Tages (Joh 8, 1-11) steht ein Mensch in der Mitte. Ausgestellt. Beurteilt. Verurteilt. Festgelegt. Andere wissen genau, wer die Frau ist und was sie verdient für ihre Taten. Sie halten Steine in den Händen – bereit, sie gegen die Frau zu werfen.
Jesus bleibt stehen. Er lässt sich nicht treiben vom Lärm der Anklage. Er bückt sich. Er schreibt in den Sand. Er schafft Raum, wo Enge herrscht.
Fastenzeit heisst auch: innehalten, bevor wir urteilen. Über andere. Über uns selbst. Vielleicht tragen auch wir Geschichten mit uns, die wir lieber verstecken. Worte, die uns festnageln. Blicke, die wir fürchten.
Jesus schaut anders. Er sieht den Menschen, nicht das Versagen. Er lässt das Leben gelten und richtet nicht. Er entlässt in die Freiheit. «Auch ich verurteile dich nicht.» Dieser Satz von Jesus gilt nicht nur der Frau im Evangelium. Er gilt auch dir. Heute. Hier.
Fastenzeit ist eine Einladung, die Steine aus der Hand zu legen. Die anklagenden, verurteilenden Stimmen in uns leiser werden zu lassen. Und stehen zu bleiben vor dem, der nicht festnagelt, sondern aufrichtet.
Vielleicht gehst du gleich weiter. Mitten hinein in deinen Tag. Aber du gehst mit einer Zusage im Herzen: Du bist mehr als deine Schuld. Mehr als das, was andere über dich wissen. Mehr als deine eigene Härte mit dir.
Jesus bleibt bei dir. Und er sagt: «Geh – und lebe.»
