Gerechtes Regieren

Wo viele Menschen zusammenleben, braucht es Organisation, geregelte Entscheidungsfindung und Umsetzung. Im Laufe der Geschichte entwickelten sich dafür verschiedene Formen von demokratischer, Gruppen- oder Einzelherrschaft. Der Ruf nach einem starken Mann taucht besonders in schwierigen Zeiten auf, immer wieder auch die Enttäuschung darüber, dass einmal erworbene Macht masslos und zum eigenen Vorteil missbraucht wird. Es gibt Beispiele in der aktuellen Weltpolitik.

Buchmalerei des heiligen Ludwig
König Ludwig der IX. in einer Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert; Quelle: commons.wikimedia.org/wiki/File:Saintlouis.jpg

Auf die Versuchungen von Macht und Einfluss weist das Markusevangelium hin, wo Jesus sagt: «Ihr wisst, dass die, welche als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Grossen ihre Macht gegen sie einsetzen. Bei euch aber soll es nicht so sein.» (10,42f) Seit jeher lebt in den Völkern die Sehnsucht nach gerechten Regierenden, die das Wohl aller im Blick haben. Auch die jüdische Messias-Erwartung orientiert sich am Bild des gerechten Königs.

Einem Vorbild in diesem Sinn gedenken die Kirchen am heutigen Tag, sie feiern das Fest des Heiligen Ludwig von Frankreich. Im 13. Jahrhundert war er König, wirkte politisch vermittelnd, dämmte den Machtmissbrauch von kirchlichen und weltlichen Würdenträgern ein, lebte schlicht und kümmerte sich um Bedürftige. An seinen Sohn schrieb er: «Dein Herz sei gütig gegen die Armen, Elenden und Betrübten. Komm ihnen nach Möglichkeit entgegen und tröste sie! Danke Gott für alle Gaben, die er dir verliehen hat, damit du noch grösserer würdig wirst. Sei gerecht gegenüber deinen Untertanen. Halte den Weg der Gerechtigkeit ein, und weiche nicht zur Rechten oder zur Linken ab! Schlag dich stets eher auf die Seite der Armen als auf die der Reichen, bis du sicher bist, die Wahrheit gefunden zu haben.»

Wir müssen keine Könige oder Herrscherinnen sein, um einen Beitrag zu leisten. Es hat Auswirkungen, wenn wir in der Familie und im Beruf unsere Werte einbringen, die Bedürfnisse aller berücksichtigen und in unseren Gemeinwesen unsere Stimme denjenigen geben, die sich bemühen, diesen Überzeugungen zu folgen. (jr)