Email address protected by JavaScripthttps://bahnhofkirche.ch/wp-admin/admin.php?page=wpcode-snippet-manager

Geschenk des Atmens

Den Atem hat der Mensch mit einer Grosszahl von Lebewesen gemeinsam. Unsere Zellen brauchen den Sauerstoff aus der Luft für die lebenserhaltenden biochemischen Vorgänge. Ohne zu atmen können wir es höchstens ein paar Minuten aushalten, bevor wir das Bewusstsein verlieren. Die meiste Zeit schenken wir unserem Atem keine besondere Aufmerksamkeit und das brauchen wir auch nicht, da das menschliche Nervensystem diese Funktion im Normalfall ganz ohne unser Zutun regelt.

Es gibt Situationen, da uns der Atem stockt, etwa wenn wir uns in grossem Stress befinden, in Angst oder in einem Schockzustand. Es kommt auch vor, dass wir das Atmen für eine Weile schlicht vergessen – sei es, dass etwas Unerwartetes uns überrascht hat, oder dass ein Gedanke uns in seinem Bann festhält. Wenn sich der Sauerstoffmangel bemerkbar macht, dann müssen wir nach Luft schnappen, bis sich der Atem wieder beruhigt.

Bleistift mit der Aufschrift inhale/exhale
Bildquelle: Anke Sundermeier auf Pixabay.com

In Momenten, die uns gedanklich oder emotional gefangen nehmen und uns dazu verleiten, impulsiv, automatisch oder gar nicht zu reagieren, kann die Hinwendung zum Atmen entscheidend sein. Innezuhalten, aufmerksam zu beobachten, was das Einatmen und Ausatmen im Körper macht, holt uns zurück ins Hier und Jetzt und schafft eine Unterbrechung für bewusstes Handeln. Viele Formen von Meditation bauen darauf auf. Die Aufmerksamkeit auf den Atem und den Körper steht uns jederzeit zur Verfügung, ist ganz unkompliziert, kostenlos und zugleich so kostbar. «Der Atem des Menschen ist die Leuchte Gottes, sie durchforscht alle Kammern des Leibes», heisst es im biblischen Buch der Sprüche (20,27). Bewusstes Atmen und Körperwahrnehmung sind befreiende Geschenke Gottes, die wir immer nutzen können.