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Getragene Weite

Bildquelle: pexels

Am Morgen, wenn man vom Lärm der Stadt in die grosse Halle des Hauptbahnhofs Zürich tritt, verändert sich etwas. Die Geräusche sind noch da, aber sie wirken gedämpfter. Der Raum ist hoch, weit, offen. Schritte, Stimmen, Durchsagen – alles klingt anders, ruhiger, fast getragen.

Vielleicht fällt es den Menschen auf, vielleicht auch nicht sofort. Doch wer einen Moment innehält, für den beginnt sich die Wahrnehmung zu verschieben. Der Lärm verliert an Härte. Die Geräusche ordnen sich neu. Es entsteht so etwas wie Weite im Klang. Wenn es nicht so viele Menschen hat, hört man manchmal sogar die Vögel. Ein leises Zwitschern von oben, zwischen den Geräuschen des Bahnhofs. Es ist, als würde sich mitten im Alltag ein anderer Ton zeigen.

Es lohnt sich, sich einen kurzen Moment Zeit zu nehmen. Stehen zu bleiben. Hinzuhören. Spüren, wie der Raum wirkt – nicht nur um uns herum, sondern auch in uns. Dass sich etwas beruhigt, ohne dass es still sein muss.

Solche Momente können daran erinnern, dass es mehr gibt als das, was uns gerade beschäftigt. Etwas, das grösser ist. Etwas, das trägt. Nicht fern, nicht abstrakt – sondern gegenwärtig, mitten im Hier und Jetzt.

Vielleicht wird daraus ein einfaches Gebet. Kein grosses Wort. Eher ein inneres Ausrichten, ein leises Wahrnehmen:

Gott ist da.

Mitten im Alltag.

Mitten im Klang der Welt.

Ganz nah bei uns.

Näher, als wir uns selber sind…

(ve)