Gott im Detail
Bei Krippen sind in den letzten Wochen viele Menschen stehengeblieben. Im Raum der Stille der Bahnhofkirche waren es über die Adventszeit mehrere Hundert, die sich die besondere Zeitungspapier-Krippe angeschaut haben. Viele standen nicht nur da, sondern setzten sich für mehrere Minuten ruhig vor die Krippe, ganz in sich vertieft.
Eine Krippe können wir nicht nur mit den Augen anschauen und in uns aufnehmen. Sie verändert auch die Art und Weise, wie wir überhaupt nach aussen blicken. Normalerweise bemerken unsere Augen vor allem die leuchtend-hellen, die bunt-strahlenden und die grossgeschriebenen Dinge. So arbeiten Strassen oder Hinweisschilder mit einfachen Formen, Leuchtfarben und Grossbuchstaben, um unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Auch die Tagespolitik ist in den letzten Jahren immer bunter, kantiger und lauter geworden.

| Bild: Christian Walti |
Die Krippe lenkt unsere Aufmerksamkeit dagegen auf vermeintlich Unwichtiges: Nutztiere, «Nobodies», ein «stink-normales» Neugeborenes in Windeln, Forschende aus fremden Ländern, einen einfachen Stall. Eine vernachlässigbare Nebensächlichkeit, eine Futterkrippe, ist plötzlich der Ort, an dem sich eines der wichtigsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte abspielt.
An diesem Heiligabend, mitten in einer Zeit voller politischem Drama, spektakulären Machtspielen und einer neu entfesselten Lust, immer noch wichtiger und mächtiger zu sein, lernen wir an der Krippe neu, dass das Entscheidende, der Friede auf Erden, viel eher von den Details als an grossen Worten und Parolen abhängen wird. Gott wohnt im Detail.
Hiermit wünschen wir von der Bahnhofkirche Ihnen allen Frohe Weihnachten!