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Gott und der Krieg

Vergangene Woche hat die US-Regierung Papst Leo XIV. massiv angegriffen, weil dieser sich an Ostern gegen Krieg und für Gewaltlosigkeit ausgesprochen hatte. Seine Worte waren deutlich gegen die amerikanisch-israelischen Attacken gegen den Iran gerichtet.
Vizepräsident Vance kritisierte, der Papst begreife nicht, dass es sich um einen gerechten Krieg handle, der legitim sei.

Ganz unabhängig davon, ob dies stimmt oder nicht, wirft Vance eine wichtige Frage auf. Denn tatsächlich ist das Verhältnis des Christentums zum Krieg komplex.
Ist Krieg aus Sicht des Glaubens immer falsch? Oder ist er manchmal nicht doch zu rechtfertigen? Z.B. für das ukrainische Volk? Oder in den 90er-Jahren, als die serbischen Nationalisten nach dem Bosnienkrieg auch Kosovo überfielen und weitere ethnische «Säuberungen» drohten? Hätten sich die NATO-Staaten nicht mitschuldig am Sterben Tausender gemacht, wenn sie nicht eingegriffen hätten?

Die Frage, wie sich Jesu Botschaft der Feindesliebe zum Krieg verhält, hat die Kirche seit frühesten Zeiten umgetrieben. Der Kirchenlehrer Augustinus verteidigte im 5. Jahrhundert den gerechten Krieg. Dieser müsse allerdings bestimmte Kriterien erfüllen: Ziel müsse immer die Herstellung von Frieden und der Friedensschluss mit dem Gegner sein.
So kann es wohl aus christlicher Sicht Gründe geben, als letzte aller Möglichkeiten einen Krieg zu führen. Die Spannung zur Feindesliebe und Gewaltlosigkeit Jesu bleibt jedoch. Sie muss bleiben. Das Bewusstsein muss bleiben, dass man einen Krieg immer gegen das Evangelium, nie mit ihm führt. Und dass man sich damit immer schuldig macht. Heroisierungen von Soldaten und Glorifizierung eines Krieges sind unangebracht. Er kann nur bitterste Notwendigkeit sein und darf nur ein Ziel haben: Frieden herzustellen und sich mit dem Gegner zu versöhnen.
Davon aber ist die Trump-Regierung meilenweit entfernt. Ihre Kriegspropaganda ist obszön. (mb)

Abb: Angelo Monitillo, Broken Rifle, 2005, Berlin. Foto: Miriam Guterland, 2013. Wikimedia Commons