Gottesstotterer

Der Apostel Paulus schreibt in einem seiner Briefe in der Bibel, er sei ein schlechter Redner (2. Kor 11,6). Trotzdem ist die Sprache sein Werkzeug. Er schreibt Briefe, er tritt öffentlich auf und erzählt von der Kraft des auferstandenen Jesus. Offenbar holpern sich seine Reden irgendwie zu den Ohren der Menschen und erreichen von dort die Herzen. Paulus ist ein wirksamer Werber fürs Evangelium.

Und im Ersten Testament begegnet uns der Gottesstotterer Moses. In der Erzählung seiner Berufung erhält er von Gott den Auftrag, das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten zu befreien. Er lehnt die Aufgabe ab: «Gott, ich bin kein Mann von Worten. Ich war es früher nicht und bin es auch nicht, seit du zu deinem Diener redest; schwerfällig sind mein Mund und meine Zunge.» Viele Auslegungen deuten diese Aussage als Hinweis, dass Moses gestottert hat. Jedenfalls gelingt es Gott erst im dritten Anlauf, den Zauderer für den Auftrag zu gewinnen  (2. Mos 4, 10-18).

Es ist gut, dass Paulus und Moses keine geschliffenen Redner waren. Denn wer von Gott spricht, begibt sich in den Tastbereich der Wirklichkeit, dorthin, wo es kein Wissen gibt, kein Verfügen, nur Ahnung und Vertrauen.

In der Bibel bleibt Gott ungesehen: «Niemand hat Gott je geschaut. Wenn wir aber einander lieben, bleibt Gott in uns» sagt der 1. Johannesbrief. Gott wird nicht gesehen und soll nicht zerredet werden, Gott wird spürbar im Lebens-, konkreter im Liebesvollzug.

Gut also, dass Paulus und Moses die Verkündigung des Einen durch den Mund gestolpert ist.
Vielleicht ist genau das die Kunst im Reden über Gott: in aller Ehrfurcht, wissend und stilvoll scheitern. Auf die Leerstellen des Ungesagten vertrauen.

Abb: Ernst Barlach, Moses, 1919, Ernst Barlach Haus, Hamburg. Foto: Rufus46, 2006. Wikimedia Commons