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Gotthard

Mehrmals im Jahr erscheint der Name «Gotthard» in den Nachrichten und Verkehrsinformationen, besonders um grosse Feiertage und Ferienzeiten herum. Millionen von Menschen befahren den fast 17 Kilometer langen Gotthardtunnel, um warme Tage im Süden zu verbringen, und manchen tags ist der Tunnel so ausgelastet, dass der Rückstau seine Länge weit übertrifft. In früheren Zeiten musste man die beschwerlichere Passstrasse verwenden, um das Gotthardmassiv zu überqueren. Woher haben Pass, Tunnel und Bergmassiv eigentlich ihren Namen?

Farbkupferstich von der Gotthardpasshöhe mit Hospiz und See
Gotthardpasshöhe mit Hospiz und See; Farbkupferstich von 1788; Schweizerische Nationalbibliothek.

Auf der Passhöhe soll seit dem 10. oder 11. Jahrhundert eine Kapelle gestanden haben, welche der Bischof von Mailand 1230 dem heiligen Godehard weihte. Godehard wurde 960 geboren und stammte aus bäuerlichen Verhältnissen. Seine Begabung wurde früh erkannt, er konnte Klosterschulen besuchen, trat bei den Benediktinern ein und leitete Klöster in Niederalt­aich, Tegernsee sowie Hersfeld, in denen er Reformen vorantrieb. 1022 wurde er Bischof von Hildesheim. Wegen seiner Volksverbundenheit, seines fröhlichen Wesens und seiner einfachen Lebensweise war er beliebt und wurde bald nach seinem Tod vielerorts in Europa verehrt. Über die Kapellenweihe auf dem Pass erhielten dieser und das Bergmassiv schliesslich seinen Namen.

Der Gotthardpass wurde zu einem entscheidenden Element für die Entstehung der Schweiz. Als 1230 eine Brücke die Schöllenenschlucht überquerbar machte, gewann die Nord-Süd-Verbindung über diesen Pass so sehr an Bedeutung, dass König Heinrich VII und sein Vater Kaiser Friedrich II den Urnern – später auch den Kantonen Schwyz und Unterwalden – die Reichsunmittelbarkeit gewährten, eine Freiheit von anderen Herrschaften, welche sie seither stets verteidigten.

Heute ist der Gedenktag des heiligen Godehard. Möge sein Name uns nicht bloss an Stau und Wartezeiten erinnern, sondern auch an seine freundliche und humorvolle Lebenseinstellung, an den Einsatz einfacher Bergbewohner für ihre Freiheit und an die Verbindung von Menschen aus Nord und Süd. (jr)