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Gründonnerstagsnähe

Bildquelle: pexels

Bevor sein Weg schwer wird, sucht Jesus Nähe. Bevor Verrat, Angst und Gewalt Raum einnehmen, setzt sich Jesus mit seinen Aposteln am Abend vor seiner Kreuzigung in Jerusalem an den Tisch. Nicht um zu erklären. Nicht um sich zu schützen. Sondern um sich zu verschenken.

Gründonnerstag ist der Moment, in dem Gott die Beziehung wählt. Noch einmal Blickkontakt, eine Umarmung, Zusammensein. Hände, die Brot brechen beim Letzten Abendmahl. Ein Kelch, der mehr ist als Wein. «Ich bin da», sagt er – und meint: ganz da.

Es ist auffällig: Vor dem Schwersten sucht Jesus nicht Abstand, sondern Verbindung. Nicht Rückzug, sondern Hingabe. Er bindet sich an seine Freunde, wissend, dass sie ihn nicht werden halten können. Und genau darin liegt die unendliche Zärtlichkeit dieses Abends, dessen wir heute gedenken.

Das Letzte Abendmahl, die Eucharistie, ist kein Triumph. Sie ist Nähe vor der Nacht. Ein leiser, entschiedener Akt der Liebe: Ich bleibe bei euch. Auch wenn ihr schlaft. Auch wenn ihr flieht.

Dieser Tag lädt uns ein, es ihm gleichzutun. Nicht stark sein zu müssen, sondern da. Nicht alles verstehen zu müssen, sondern zu bleiben. Uns mit Jesus zu verbinden – im Brot, im Schweigen, im inneren Dabeisein.

Heute dürfen wir ihm beistehen. Schon jetzt, vor dem Sterben auf dem Ölberg. Vor dem Blut, dem Zittern, der Angst. Wir dürfen sagen: Du gehst nicht allein.

Gründonnerstag ist der Moment, in dem Gott sich verletzlich macht – und uns einlädt, ihm nahe zu sein. Ganz. Still. Verbunden.