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Hasensanftheit

Bildquelle: privat

Wenn man das Glück hat, einen Feldhasen beobachten zu können, sieht man: Er bewegt sich leise durch die Landschaft. Wenn er langsam hoppelt, wirkt alles an ihm weich und abgestimmt. Nichts ist hart oder abrupt. Seine Bewegungen sind gross und gleichzeitig sanft. Es ist, als würde alles ineinander übergehen: ein Heben, ein Gleiten, ein Wiederaufsetzen. Auch sein Fell trägt diese Qualität. Die feinen Brauntöne, das leicht Rötliche, das ins Graue, Helle übergeht, wirken ruhig und warm. Wenn man ihn betrachtet, kann sich im eigenen Körper ein Gefühl von Weichheit einstellen. Etwas wird stiller und weiter.

Solche Erfahrungen sind mehr als nur ästhetische, wahrnehmungspsychologische Eindrücke. Sie können Hinweise sein. Die Schöpfung zeigt Eigenschaften, die über sich hinausweisen. Sanftheit gehört dazu. Sie ist oft unscheinbar, nicht laut, nicht durchsetzungsstark im üblichen Sinn. Aber sie hat eine eigene Kraft. Sanftheit zwingt nicht, sie drängt sich nicht auf. Sie ist da und wirkt gerade dadurch.

Vielleicht lässt sich darin etwas von Gott erkennen. Nicht als Beweis, sondern als Ahnung. Gott ist nicht nur gross, mächtig oder überwältigend. Er kann auch sanft sein. So sanft, dass man es leicht übergeht, wenn man nicht aufmerksam ist. So sanft, dass es eher ein Berühren als ein Eingreifen ist.

Der Feldhase als Teil der Schöpfung kann daran erinnern. Weil sein Anblick etwas erfahrbar macht. Wer genau hinschaut, kann diese Qualität wahrnehmen und innerlich aufnehmen. Vielleicht wird sie dann im eigenen Handeln spürbar: weniger Druck, weniger Härte, mehr Feinheit. (ve)