Herbst
Nun ist es wohl soweit: der Sommer verzieht sich und macht dem Herbst Platz. Die frische Luft am Morgen, die bunten Blätter, die tiefer stehende Sonne und der Regen laden uns ein, es gemütlicher angehen zu lassen. Am Schönsten ist es doch, in dieser Zeit raus in die Natur zu gehen, durch bunte Wälder zu spazieren, zur Ruhe zu kommen, und die Seele baumeln zu lassen, um danach eine warme Tasse Tee oder Kaffee zu geniessen. Der Herbst hat seine eigene Kraft. Mich erinnert er immer wieder daran, wie wichtig Loslassen ist. Die Bäume verlieren ihre Blätter, damit sie im nächsten Jahr wieder neu austreiben können. Vielleicht lässt sich das übertragen auf unser Leben. Es gibt Dinge, von denen man sich verabschieden darf – Sorgen, die einen beschäftigen, Pläne, die nicht mehr passen, oder Ängste, die einen zurückhalten. Die Natur macht es uns vor: es ist in Ordnung, Platz zu schaffen für Neues.
Bei meinen Herbstspaziergängen geht mir oft einer meiner Lieblingsbibelverse durch den Kopf. Er stammt aus dem Buch Kohelet. Darin hiesst es: «Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreissen der Pflanzen.» (Koh 3,1-2)
Wenn wir den Wechsel der Jahreszeiten nicht nur beobachten, sondern auch in unser eigenes Leben integrieren, lernen wir, die verschiedenen Phasen zu schätzen. Ganz egal, ob es die Zeiten des Anfangs oder des Endes, des Erblühens oder des Vergehens sind. Jede dieser Phasen hat ihren Platz und ihre Bedeutung. So können wir den Herbst nicht nur als Übergang, sondern als Einladung verstehen, das Leben in seiner ganzen Fülle zu erleben – mit all seinen Veränderungen, Herausforderungen und neuen Möglichkeiten.
