Im Verborgenen
Seit einiger Zeit betätige ich mich vermehrt im Kraftraum und hebe das eine oder andere Gewicht. Dabei geht es mir wie vielen, die mit dem Krafttraining starten. Der Anfang ist anstrengend, manchmal auch schmerzhaft und der Blick in den Spiegel zeigt zunächst kaum eine Veränderung. Ich weiss, dass es an dem Punkt durchzuhalten gilt, denn jeder einzelne Trainingsreiz zählt. Und auch wenn man auf ein äusserlich erkennbares Ergebnis warten muss, dann spürt man doch schon viel früher tief in sich drin, dass sich etwas verändert.
Genauso ist es mit dem Glauben. Er ist nicht nur ein äusserer, sondern von allem ein innerer Weg. Viele der Dinge, die man aus Überzeugung tut, sind für andere kaum sichtbar: die Geduld mit einem schwierigen Menschen, das stille Gebet auf dem Weg zur Arbeit, das klärende Gespräch, das man sucht, auch wenn es Überwindung kostet. Von aussen betrachtet ist es oft nichts Besonderes. Aber innerlich, da wächst etwas. Jesus spricht in seinen Gleichnissen davon, dass das Reich Gottes klein beginnt, unscheinbar wie ein Senfkorn, ganz im Verborgenen. Doch in diesem Kleinen und Unscheinbaren liegt die Kraft, etwas Grosses entstehen zu lassen, wenn wir Vertrauen haben und die nötige Geduld.
Eine grosse Herausforderung! Oft wünschen wir uns sofort sichtbare Ergebnisse – nicht nur im Kraftraum, auch im Job, im Privatleben, im Glauben. Aber inneres Wachstum braucht Zeit. Vertrauen wir darauf, dass Gott auch dort arbeitet, wo es scheinbar still ist. Vertrauen wir darauf, dass jeder Schritt zählt. Auch wenn wir dafür keine Anerkennung oder kein Lob bekommen, auch wenn wir manchmal selbst zweifeln. Gott sieht, was andere nicht sehen. Er kennt unsere Mühen, unser Durchhaltevermögen und unsere vielen leisen Entscheidungen für den richtigen Weg.
