Im Warten ankommen

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 Am Bahnhof ist selten Stillstand. Menschen kommen und gehen, steigen aus, steigen ein, warten kurz – und sind schon wieder unterwegs. Es ist ein Ort der Bewegung, und genau hier beginnt für mich ein neuer Weg: mein erster Tag in der Bahnhofkirche.

Auch das Kirchenjahr hat gestern mit dem ersten Adventssonntag neu begonnen und heute öffnen wir das erste Adventskalendertürchen. Damit öffnet sich ein anderer Rhythmus – einer, der uns nicht drängt, sondern einlädt: zu warten. Das klingt ungewohnt in einer Welt, die alles sofort will. Doch Warten ist keine leere Zeit. Es ist die Zeit, in der etwas wächst, ohne  dass wir es schon sehen können.

Vielleicht ist das die tiefste Bedeutung des Advents: sich bereit machen für das, was sich nicht erzwingen lässt. Hoffnung keimt leise. Licht wächst im Verborgenen. Die Liebe wird Mensch. In der Krippe im Stall von Bethlehem.

Ich wünsche uns allen, dass dieser Advent eine Zeit des inneren Ankommens wird – mitten im Unterwegssein. Dass wir im Warten nicht das Fehlen spüren, sondern das Versprechen. Und dass wir im Durcheinander des Alltags kleine Zeichen des Kommenden entdecken: ein freundlicher Blick, ein unerwarteter Frieden, eine stille Freude.

Ankommen – im Warten. Das ist vielleicht das Schönste, was uns in dieser Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest geschenkt werden kann.