Karfreitag
Am Karfreitag verdichtet sich alles auf einen Punkt: die Liebe, die sich nicht schont. Es ist der Tag, an dem Jesus am Kreuz für uns gestorben ist. Diese Liebe bleibt nicht auf Distanz. Sie entzieht sich nicht dem Leid. Sie tritt hinein in die Wirklichkeit des Menschen – in Verwundbarkeit, Ohnmacht und Ausgeliefertsein.
Am Kreuz wird diese Bewegung sichtbar. Der, der das Leben ist – «Ich bin (…) das Leben» (Joh 14,6) -, hält sich nicht zurück. Er gibt sich hin. Ganz. Diese Hingabe ist keine Geste, sondern Wirklichkeit. Sie geht bis dorthin, wo alles entgleitet: Sicherheit, Kontrolle, selbst die erfahrbare Nähe Gottes: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» (Mk 15,34). Gerade darin zeigt sich, was Liebe ist: nicht nur das Bewahren seiner selbst, sondern das sich Geben.
Wer auf den gekreuzigten Jesus schaut, wird berührt; dieser unschuldige Mensch – Gott am Kreuz – lässt kaum jemanden kalt. Und dieser Blick wiederum kann einen inneren Raum öffnen. Einen Raum, in dem sich im gesehen Werden durch Jesus am Kreuz das ordnet, was zuvor vielleicht im eigenen Leben diffus und unverständlich war oder das eigene Fassungsvermögen überstiegen hat. Im Blick Jesu ist zu erkennen: Du bist gemeint, du bist getragen, du bist geliebt.
Es ist ein erkennen Dürfen, ein langsam darauf Vertrauen, dass diese Zusage eine Gewissheit ist. Und daraus kann eine Freiheit wachsen. Die Freiheit, sich Gott zu schenken, als Antwort auf sein sich Schenken. Die Bewegung Gottes am Kreuz auf den Menschen zu wird zu einer gemeinsamen Bewegung, zu einer lebendigen Beziehung. Es ist ein gegenseitiges sich Schenken. Frei, ohne Zwang, ohne Berechnung. So ist Liebe.
