Kloster Clairvaux

Quelle: Quelle: Thomas Salva, Lumento, CC BY 4.0. via Wikimedia Commons

Auf einem Roadtrip durch Frankreich sind wir zufällig an Clairvaux vorbeigekommen. Eine gute Gelegenheit, mir das Kloster anzuschauen, in dem der berühmte Mystiker und Theologe Bernhard von Clairvaux gewirkt hat. Dachte ich zumindest. Ich hatte Bilder im Kopf von schönen alten Gemäuern, Weite, Stille und einer mystischen Stimmung und sah mich vor meinem inneren Auge schon durch den Kreuzgang schlendern. Das was ich dann aber vorfand, enttäuschte mich sehr. Das Kloster wurde 1808 zum Gefängnis umgebaut und war bis 2022 in Betrieb. Viele der ursprünglichen Mauern stehen zwar noch, aber statt Mystik und Gebet hallt eine Geschichte aus Zwang und Enge durch die Flure.

Es ist schon ein krasser Kontrast. Ein Ort, der einmal für kontemplatives Leben stand, wurde zu einem Ort der Strafe und des Eingesperrtseins. Als ich da so im Kloster/Gefängnishof stand, kamen Fragen ich mir hoch: Passiert das nicht auch in unserem Inneren? Dass Räume, die eigentlich offen waren für Gott, für Stille und Gebet mit Zweifel, Sorgen oder Geschäftigkeit verbaut werden? Dass Orte, an denen es einst Vertrauen gab inzwischen versiegelt sind durch alte Verletzungen, Misstrauen oder Selbstschutz?

Ich denke, solche inneren Orte brauchen nicht unbedingt eine radikale Renovierung. Aber unsere Bereitschaft, die Spuren von dem, was einmal war wiederzuentdecken oder einfach nur wahrzunehmen, dass diese inneren Räume existieren. Im Buch der Offenbarung können wir folgenden Satz lesen, den Jesus spricht: «Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten.» (Offb 3,20) Diese Hoffnung ist uns geschenkt: Dass Jesus selbst hinter verschlossenen Türen wartet. Und dass aus einem zugeschütteten Ort wieder ein Raum der Begegnung werden kann.