Kopf(tuch)los?
Zurzeit läuft in der Schweiz wieder eine Debatte über ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen. Letzten November erst hat die SVP ein solches für den Kanton Zürich gefordert. In anderen Kantonen existiert es bereits.
Aber: Was ist eigentlich falsch an einem Kopftuch? Es ist ein Kleidungsstück. In unserer Gesellschaft weist es in den meisten Fällen auf einen islamischen Hintergrund hin. Mehr sagt es erst einmal nicht aus. Es ist nicht klar, ob es sich dabei um ein religiöses Bekenntnis handelt, oder ob die Frau sich einfach so kleidet, weil es zur Tradition ihrer Herkunftskultur gehört. Oder weil ihr das Kopftuch gefällt.
Oft wird den betroffenen Frauen unterstellt, sie würden sich nicht freiwillig so kleiden, sondern von ihren Ehemännern oder Vätern dazu gezwungen. Das ist diskriminierend – gegenüber Frauen und gegenüber der islamischen Kultur. Selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass die Frauen nicht für sich entscheiden können. Wieder einmal fühlen sich Teile der Gesellschaft also berufen, Frauen und einer Minderheit zu sagen, was gut für sie ist – und dass muslimische Männer Patriarchen sind.
Angenommen, eine Lehrerin mit Kopftuch wäre tatsächlich eine gläubige Muslima? Warum sollen Kinder nicht wissen dürfen, wen sie vor sich haben und was diesem Menschen wichtig ist? Es ist doch nicht so, dass ein gläubiger Mensch automatisch andere Menschen indoktriniert. Und wenn doch, dann sollen und müssen Schulbehörden selbstverständlich eingreifen. Beeinflussung aber geschieht nicht durch ein Kleidungsstück, sondern durch Inhalte und wie diese vermittelt werden.
Ich möchte nicht, dass Kinder von Personen unterrichtet werden, die sich zu nichts bekennen, sondern von Menschen, die spürbar sind, eine Biografie haben und Werte vertreten, wie z.B. ein religiöses Bekenntnis. Von Menschen, die Kindern vorleben, dass man mit unterschiedlichen Herkünften, Werten und Glaubenshaltungen zusammenleben kann.
Das hat unsere multikulturelle Gesellschaft dringend nötig. (mb)
Abb: Kopftuch von Fereshta Ludin, 2000. Landesmuseum Württemberg, Stuttgart. P. Frankenstein / H. Zwietasch
