Kränkung

Erinnern Sie sich daran, wann Sie zuletzt gekränkt wurden? Vielleicht schon. Denn Kränkungen hinterlassen Spuren und sind weit mehr als nur verletzende Worte. Sie treffen uns plötzlich, hart, oft unerwartet. Manchmal genügt schon ein abwertender Blick, ein bissiger Kommentar oder das Gefühl übergangen oder benachteiligt worden zu sein. Und man spürt: Das hat wehgetan! Warum Kränkungen so tief gehen? Weil sie unseren Selbstwert, unsere Ehre, unsere Gefühle oder unsere Würde verletzen. Sie stellen in Frage, ob man richtig ist, so wie man ist. Und das schmerzt. Kein Wunder hängt das Wort «Kränkung» etymologisch mit «krank» zusammen. Denn Kränkungen graben sich tief in die Seele hinein und können Stress auslösen, zu Schlafstörungen führen oder sogar körperliche Beschwerden verursachen.

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Die biblische Geschichte von Josef und seinen Brüdern (Genesis 37-50) zeigt, wie weit Kränkung führen kann. Josef war der Liebling seines Vaters und das spürten seine Brüder nur allzu deutlich. Josef bekam ein kostbares, buntes Gewand vom Vater geschenkt, welches die Liebe zu ihm verdeutlichte. Es machte die Bevorzugung sichtbar und verstärkte die Kränkung, die die anderen Brüder empfanden. Der Frust wuchs, bis die Brüder schliesslich eine folgenschwere Entscheidung trafen. Sie verkauften Josef als Sklaven und täuschten seinen Tod vor. Was mit einem gekränkten Gefühl begann, endete in Verrat und veränderte das Leben aller für immer.

Kränkungen gehören leider zum Leben dazu. Wir kränken und werden gekränkt. Wichtig ist, dass wir dies erkennen und uns eingestehen. Und nicht zuletzt kommt es darauf an wie wir damit umgehen: Statt lange Groll zu hegen, hilft es, offen drüber zu sprechen und zu verstehen, warum etwas wehgetan hat. So verhindern wir, dass aus kleinen Kränkungen richtig grosse Baustellen werden – so wie bei Josef und seinen Brüdern.