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Leiden zeigen

In einer Woche ist Karfreitag. Der Tag ist dem Leidensweg Jesu gewidmet, seiner Kreuzigung und seinem qualvollen Tod.

Um 1580 hat El Greco den kreuztragenden Jesus auf dem Weg zur Hinrichtung dargestellt. Hell leuchten seine Hände, die er auf einen Balken des Kreuzes gelegt hat. Grazil sind sie, fast feminin. Und furchtbar das Wissen, dass diese Hände kurz darauf von Nägeln durchbohrt an dieses Holz geschlagen sein werden, sich in brutalem Schmerz verkrampfend. Die Stacheln der Dornenkrone haben Wunden in die Stirn gerissen. Jesu Augen blicken aus der Welt hinaus, und die Lichtschimmer auf ihnen rücken sie noch weiter in die Ferne. Ein Mensch in Agonie.

Christliche Betrachter:innen wissen, dass am Ende des Geschehens die Überwindung des Todes, die Auferweckung stehen wird. Aber sie wissen auch: Das Schlimmste wartet noch auf diesen Mann.

Die frühe Christenheit hat das Leiden Jesu gar nicht dargestellt. Das Kreuz galt als Schande. Es wurde übergangen. Lieber wandte man sich Jesus als gutem Hirten und Retter zu. Man tat sich schwer mit diesem Tod. Konnte man ihn als Sühneleistung für die Verfehlungen der Menschen deuten? Als freiwillige Hingabe in den Tod, um diesen in der Auferstehung zu überwinden?
Eine einzig richtige Interpretation des Kreuzes gibt es nicht. Es gibt nur Versuche, es zu verstehen. Und es ist eine enorme Leistung der biblischen Schriften, dass sie den Tod Jesu nicht verschwiegen und übergangen haben, obwohl er so schändlich war. Dass sie sich ihm gestellt haben. Denn damit fordern sie von uns ein, Ohnmacht, Grausamkeit und Tod nicht zu ignorieren, sondern uns diesen Erfahrungen zu stellen. Durch Karfreitag sind sie zentrales Element des christlichen Glaubens geworden.

Abb: El Greco, Christus trägt das Kreuz, um 1580, Metropolitan Museum of Art, New York. Quelle: Web Gallery of Art