Lichtverschmutzung
Helligkeit besitzt hohe Wertschätzung und wird in der Regel der Dunkelheit vorgezogen. Licht macht die Dinge erst sichtbar und ermöglicht Orientierung, darüber hinaus tut es Körper und Seele in den dunkleren Jahreszeiten wohl. Allerdings kann es des Guten auch zu viel werden, etwa in grösseren Städten, wenn des Nachts Strassenlampen, Neonreklamen, Gebäudebeleuchtungen und andere Lichtquellen die Sterne verschwinden lassen und manchen Leuten den Schlaf rauben. Dann spricht man von Lichtverschmutzung und sucht nach Massnahmen, um diese einzudämmen.
Licht symbolisiert gemeinhin das Gute, das Schöne und Erhabene. Es versinnbildlicht, wie Dinge beurteilt werden: Man unterscheidet helle von dunklen Mächten, spricht von strahlenden Helden und finsteren Gestalten. Menschen möchten zur Seite des Lichts gezählt werden. Wenn dabei verdrängt oder vergessen wird, dass jede Person auch Schatten in sich trägt, wenn Unzulänglichkeiten und Fehler nicht mehr dazugehören dürfen, dann entsteht eine Art geistige Lichtverschmutzung: Andere müssen geblendet werden, statt des echten Lichts zählt nur noch der blosse Schein, Substanz und Wahrheit werden von Äusserlichkeit verdrängt.
Viele Gottesvorstellungen sind verbunden mit dem Licht: Gott als allerhellste Lichtgestalt, die alles durchstrahlt und offenbart. Auch spirituelle Lichtverschmutzung gibt es, wenn die Vorstellung von Gottes Makellosigkeit und Überlegenheit dazu verwendet wird, Andersdenkende und Andersglaubende kleinzureden, zu missachten, zu benachteiligen oder gar zu verteufeln. Dieser Art von Lichtverschmutzung setzen wir etwas entgegen, indem wir Gott grösser sein lassen – Licht und Dunkel umfassend – und indem wir unseren Glauben mit unerschütterlicher Hoffnung und umfassender Liebe verbinden. (jr)
