Milliarden Wörter und das lebendige Wort in der Krippe
Auf der Welt gibt es immer mehr Wörter. Schon mit der Entstehung des Internets vervielfachte sich die Anzahl verfügbarer und geschriebener Wörter – und erst recht mit der Einführung von Assistenten mit Künstlicher Intelligenz. Unterdessen produzieren diese schon mehr als die Hälfte aller Einträge im Internet: Milliarden von Worten jeden Tag. Mehr als die Milliarden Menschen auf der Welt jemals lesen, geschweige denn verstehen können.
Es fehlt uns nicht an Wörtern. Aber es fehlt an Verständnis. Das Johannesevangelium beschreibt die Geburt Jesu als «Wort-Werdung»: Das Wort wurde lebendig und wohnte unter uns. Das ist nicht eine Fortschreibung der Milliarden Wörter, sondern ein befreiendes, bedeutsames Wort, dass Menschen anspricht und so die Welt verändert.

| Bild: Jürgen Rotner |
Die diesjährige Krippe der Bahnhofkirche stammt aus einem Slum der philippinischen Millionenmetropole Manila. Ihre Figuren bestehen aus gefaltetem Zeitungspapier, die Gesichter wurden aus Holz geschnitzt. Kinder und Jugendliche aus einem kirchlichen Beschäftigungsprogramm haben sie hergestellt. Das Rohmaterial waren Boulevardzeitungen mit vielen Annoncen, darunter auch solche aus dem Sexgewerbe. Diese Zeitungen stehen für die geächtete und brutale Alltagswelt der jungen Menschen in den Slums.
Dass die Kinder und Jugendlichen ausgerechnet aus diesen Wörtern eine Darstellung der Geburt des lebendigen Wortes machen, ist eine Art Befreiungsschlag. Die Geschichte vom lebendigen Wort Jesus verändert ihre Sicht auf ihr Leben. Es kann aus der scheinbar dreckigsten und gottlosesten Umgebung der Welt eine hoffnungsvolle und schöne Botschaft machen.