Mitgefühl
An den Freitagen im September erscheinen Gastbeiträge in den Weg-Worten. Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften schreiben über Aspekte ihres Glaubens und ihrer Heiligen Schriften. Der heutige Beitrag aus buddhistischer Sicht stammt von Geshe Lharampa Tenzin Jangchup, Abt des Klosters Rikon.
Für das menschliche Leben ist der kostbarste Reichtum ein Herz voller Lebenskraft, Freude und Fröhlichkeit. Da ein Grossteil unserer Erfahrungen – unsere äusseren Bedingungen wie auch unsere inneren Geisteszustände – in Abhängigkeit von anderen entsteht, ist es entscheidend, dass wir dieses wechselseitige Verbundensein erkennen und wertschätzen.
Wenn wir Mitgefühl und Altruismus in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen, weiten und öffnen sich unsere Gedanken und Handlungen auf natürliche Weise. Pflegen wir Zorn und Feindseligkeit, so wird unsere Sichtweise eng, starr und intolerant, was wiederum negative Einstellungen hervorbringt.
Ein kleines Beispiel: Begegnet man einem Fremden auf der Strasse, und dessen Gesichtsausdruck – sei es ein einfaches Lächeln oder eine andere kleine Geste – erscheint freundlich, so entstehen sofort vielfältige Gefühle und Gedanken der Freude in uns. Dies zeigt, wie tief unser Glück und unser Leid mit anderen verwoben sind.
Daher erkennen wir auf dieser Grundlage, dass die «anderen» von entscheidender Bedeutung sind und in Wahrheit die eigentliche Wurzel unseres eigenen Wohlergehens bilden. Aus diesem Verständnis erwachsen Mitgefühl und Altruismus – Qualitäten, die wir stets sorgsam und mit aufrichtigem Bestreben kultivieren sollten.
Wenn wir selbst glücklich sind, können wir auch anderen Glück bringen. Indem wir dies tun, breiten sich nach und nach Frieden und Harmonie in der Welt aus.
