Mut aus Gottvertrauen

Wenn die Zeiten bedrohlich sind, wenn die Rechtsstaatlichkeit ausgehöhlt wird und abweichende Meinungen Repressionen zur Folge haben, dann erscheint es ratsam, sich ruhig zu verhalten und nicht aufzubegehren. Es gibt Menschen, die in solchen Situationen erst recht nicht schweigen können, die ihre Stimme nur noch klarer und deutlicher erheben. Zu dieser Art Menschen gehörte der Jesuitenpater Rupert Mayer, dessen Geburtstag sich heute zum 150. Mal jährt.

Pater Rupert Mayer SJ
Pater Rupert Mayer sammelt trotz Verbot für die Caritas. Foto: Huberta von Gumppenberg; Archiv der Caritas München und Freising.

Rupert Mayer wusste schon früh, dass er den geistlichen Weg einschlagen wollte. Nach seiner Priesterweihe und der Aufnahme in den Jesuitenorden wirkte er als Volksmissionar in den Niederlanden, in Deutschland, Österreich und auch in der Schweiz. Schliesslich kam er nach München, kümmerte sich als Seelsorger um Zuwanderer und Familien, wurde 1921 Präses der Marianischen Männerkongregation und Mitglied im Vorstand der Caritas. Man nannte ihn den «Apostel Münchens».

Beim Predigen war der Jesuitenpater ganz in seinem Element. Schon früh wandte er sich gegen die Unmenschlichkeiten der nationalsozialistischen Ideologie und sparte auch nach der Machtergreifung nicht mit Kritik. Das brachte ihm 1935 ein Redeverbot und mehrere Verhaftungen ein, zuletzt war er im Kloster Ettal unter Arrest. Ein halbes Jahr nach Kriegsende erlitt Pater Mayer während der Predigt einen Herzanfall und verstarb.

In unserer Zeit scheinen rücksichtslose Regimes, die das Recht aushebeln und ganze Volksgruppen zu Sündenböcken machen, wieder auf dem Vormarsch zu sein, sogar in Ländern, in denen wir es nicht für möglich hielten. Da braucht es Menschen, welche die Stimme erheben, die Menschlichkeit hochhalten und sich nicht einschüchtern lassen. «Ja, wir werden mutig, wenn wir uns in Gottes Hand geborgen wissen, was immer uns auch treffen mag.» Das war die tiefste Überzeugung von Pater Rupert Mayer.