Nachahmen
Menschen lieben es offenbar, Dinge nachzuahmen, die sie bei anderen wahrnehmen. Ob das mit dem Vorhandensein von sogenannten Spiegelneuronen im Gehirn zusammenhängt, ist umstritten. Offensichtlich ist jedenfalls, dass es unterschiedliche Beweggründe für das Imitieren gibt.
Es gibt Leute, die durch Nachahmen andere täuschen und sich einen Vorteil verschaffen wollen. Sie bilden zum Beispiel Uhren, Münzen oder Gemälde täuschend echt nach und verkaufen sie dann als Werk einer renommierten Marke, einer vergangenen Epoche oder eines bekannten Künstlers. Oder sie kopieren Ideen und Texte von anderen und geben sie als die eigenen aus.
Manchmal dient die Imitation als Mittel, um sich über andere lustig zu machen oder sie zu entlarven. Bestimmte Eigenschaften einer Person werden so übertrieben nachgestellt, dass sie lächerlich wirken. Wir finden dies in Karikaturen, Parodien und Satire wieder.
Die ursprünglichste und grundlegendste Absicht des Nachahmens ist wohl das Lernen und Aneignen von Fähigkeiten. Schüler:innen imitieren ihre Lehrpersonen, um eine Sprache, ein Instrument oder sonst ein Fach zu meistern. Bereits kleine Kinder spielen unterschiedliche Rollen, um sich mit der Welt der Erwachsenen vertraut zu machen und in sie hineinzuwachsen.
«Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder und führt euer Leben in Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat». Zu Beginn des fünften Kapitels im Brief an die Gemeinde von Ephesos werden wir zur höchsten Form des Imitierens aufgefordert: das Üben der göttlichen Liebe, nicht als Pflicht oder Gebot, sondern als Weg zum sinnerfüllten Leben. (jr)
