• Postmoderne Beliebigkeit

    Als ich kürzlich nach meiner Arbeit in der Bahnhofkirche mit dem Zug nach Hause gefahren bin, kam ich an einem Güterzug vorbei, auf dem in krakeliger Schrift prangte: Postmoderne Beliebigkeit. Diese beiden Worte haben mich nicht mehr losgelassen und sind mir immer wieder durch den Kopf gegangen. Ich habe mich tagelang gefragt, ob wir in ihr leben, in der postmodernen Beliebigkeit. Eine eindeutige Antwort darauf habe ich nicht gefunden, zu schwer definierbar ist für mich der Begriff der Postmoderne. Eine gewisse Beliebigkeit hat meiner Meinung nach aber schon Einzug gehalten in unsere Gesellschaft. Doch obwohl der Begriff «Beliebigkeit» eher negativ konnotiert ist, finde ich diesen Umstand nicht unbedingt schlecht. Denn…

  • Resteessen

    Heute, am 29. November, gibt es einen kuriosen Feiertag, der in den USA begangen wird: der Resteessen-Tag. Dieser soll dafür sorgen, dass die Menschen die Lebensmittelverschwendung nicht aus dem Blick verlieren und sie dazu animieren, Reste nicht direkt zu entsorgen, sondern sie bestmöglich zu verwerten. Auch für die Schweiz wäre ein solcher Tag wertvoll, denn auch hierzulande wandern erschreckend viele Lebensmittel in den Müll. Jährlich etwa 2.8 Mio. Tonnen. Das fängt auf dem Acker an, geht bei der Verarbeitung und im Handel weiter und endet schliesslich im Restaurant oder den privaten Haushalten. Auf jeden Menschen in der Schweiz – das ergeben die Hochrechnungen – entfallen so rund 330 kg Lebensmittelmüll…

  • Ein neuer Blick

    Unsere diesjährige Weihnachtskrippe kommt aus Peru. Eine Krippe aus einer anderen Kultur kann auf uns befremdlich wirken. Die Menschen aus einem anderen Land lassen die Geburt Jesu schließlich in ihrer Lebenswirklichkeit stattfinden, genau wie wir das auch tun. Ich möchte dieser Krippe offen begegnen, damit ich das Neue daran für mich entdecken kann. Ich will mich fragen, was diese Krippe mir über die Geburt Jesu erzählen kann, gerade weil sie anders ist. Das Wenige, das ich über sie weiss, kann mir helfen, sie besser zu verstehen. Im Hintergrund steht übergroß die Pachamama, die personifizierte Mutter Erde. Das Jesuskind vor ihr wirkt klein, ist aber das Zentrum des Geschehens. Bevor Gott…

  • Spiegel des Göttlichen

    Inzwischen sind die Tage deutlich kürzer geworden, und das natürliche Licht nimmt weiter ab. Ich sehne mich nach Aufhellung, für meine Augen und für meine Seele. Den meisten Menschen geht es ähnlich, in dieser Zeit sind depressive Verstimmungen ziemlich verbreitet. Gerade jetzt beginnen das neue Kirchenjahr und die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. So als wolle uns die Glaubenstradition aufmuntern: Egal, wie düster und garstig es im Aussen auch sein mag: Der göttliche Beistand ist ganz nahe und will unser Herz wärmen, erhellen und beruhigen. Es erfüllt mich mit Freude, dass in den kommenden Wochen die Kapelle der Bahnhofkirche etwas heller als sonst erscheint, erfüllt von einem besonderen Licht. Das hat mit…

  • Wie im Flug

    «Ich kanns kaum glauben, dass schon wieder der Advent vor der Tür steht. Die Zeit vergeht wie im Flug.» Das sagte neulich eine Bekannte zu mir. Kurz vor dem ersten Advent (so scheint mir) häufen sich wieder Sätze wie diese. Viele Menschen seufzen: «Die Zeit rennt dahin. Ehe man sich versieht, ist schon wieder ein Jahr rum.» Das Phänomen, dass die Zeit scheinbar rasend an uns vorüberzieht, verstärkt sich mit zunehmendem Alter. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Grund dafür sind unsere Erinnerungen. Kinder machen viele neue, emotionale Erfahrungen. Die prägen sich tief ins Gedächtnis ein und in der Rückschau wirkt eine Zeitspanne dadurch deutlich länger, als eine mit weniger besonderen, neuen…