• Zwei Jahre

    Morgen vor zwei Jahren, am 24. Februar 2022, hat Russland die Ukraine überfallen. Zuerst sah es nach einem schnellen Sieg der Invasoren aus, dann zeigte sich eine erstaunliche Widerstandskraft der Ukraine. Inzwischen haben sich die Armeen ineinander verkeilt. Ein Ende des Krieges scheint in weiter Ferne. So kann man an diesem zweiten Jahrestag eigentlich nur deprimiert und traurig sein. Zudem: Vor einer Woche ist der russische Oppositionelle Alexei Nawalny im Gefangenenlager umgekommen. Die Hoffnung, dass es noch so etwas wie einen innerrussischen Widerstand gegen den Diktator Putin geben könnte, ist so gut wie tot. Dabei ist das Schicksal Nawalnys erstaunlich. Nachdem er einen Giftanschlag nur knapp überlebt hatte und in…

  • Gewohnheit

    Nicht erst seitdem der Krieg näher herangekommen ist, mehren sich die Stimmen, welche die Gegenwart und Zukunft in düsteren Farben malen. Die Hoffnung, dass die Menschheit endlich dazulernt und von den gewaltförmigen Lösungsmustern ablässt, rückt in die Ferne, und Menschen guten Willens drohen angesichts der Menge negativer Nachrichten in Gleichgültigkeit oder gar Verzweiflung zu fallen. Folgende kleine Geschichte gab mir einen Gedankenanstoss: Ein Angehöriger der indigenen Bevölkerung Amerikas ging in die Stadt, um einen Freund zu besuchen. Miteinander spazierten sie durch die belebten Strassen, während neben ihnen der Verkehr vorbeibrauste. Plötzlich blieb der Besucher stehen und sagte: «Ich höre eine Grille zirpen.» Der Freund entgegnete: «Bei all dem Strassenlärm und…

  • Muttersprache

    Wie viele Sprachen sprechen Sie? Mehr als eine? Der Europäer bringt es durchschnittlich auf etwa zwei verschiedene Sprachen. Doch egal wie viele Fremdsprachen ein Mensch beherrscht und mit wie viel Freude und Elan Neue gelernt werden, eine Sprache bleibt immer ganz besonders: die eigene Muttersprache. Heute werden die rund 7100 Sprachen gewürdigt, die weltweit gesprochen werden. Denn die UNESCO hat den 21. Februar zum Welttag der Muttersprache erkoren, um die sprachliche und kulturelle Vielfalt zu fördern und zu feiern. Das hat einen ernsten Hintergrund. Rund 2450 Sprachen sind bedroht und könnten in den kommenden Jahren aussterben, weil immer weniger Menschen sie sprechen oder sie aufgrund einer anderen Hauptsprache zurückgedrängt werden.…

  • Entsorgen

    Heute machen wir uns daran, nach und nach unsere Räumlichkeiten auszumisten, in denen sich während der letzten Jahre ganz schön viel angesammelt hat. Mehr Ordnung und Übersicht ist das grosse Ziel. Dabei werden wir sicher auch Dinge entsorgen, die kaputtgegangen sind oder auf andere Weise ausgedient haben. Weil der Hauptbahnhof ähnlich wie eine kleine Stadt organisiert ist, müssen wir unseren Müll auch nicht weit tragen, sondern können ihn bei der Entsorgungsstelle abgeben, wo sehr aufgestellte und freundliche Menschen arbeiten. Danach haben wir dann tatsächlich eine Sorge weniger, weil sie sich darum kümmern und unseren Abfall beseitigen und verwerten. Manchmal wünschte ich mir, dass ich mit den unschönen Dingen, die sich…

  • Auf der Suche nach Glück

    Glück haben und glücklich sein sind zwei verschiedene Dinge. Ob ich Glück habe oder nicht, kann ich nicht beeinflussen, ob ich glücklich bin hingegen schon. Das ist wohl mit ein Grund, weshalb sich Glücksratgeber im Buchhandel so gut verkaufen. Welcher Satz macht Sie glücklich?Bild von Tim Reckmann auf flickr Andres Eberhard, Redaktor bei der kirchlichen Zeitschrift bref, hat ein paar Glücksratgeber untersucht und verglichen. Er hat festgestellt, dass sich der Inhalt jedes Buches jeweils in einem kurzen Satz zusammenfassen lässt. Etwa «Sei du selbst!», «Übernimm Verantwortung für dein Leben!», «Sei achtsam!» oder «Bestell dir das Glück im Universum!» So oder ähnlich klingen die Rezepte zum Glück. Sie geben die persönliche…