• Mut aus Gottvertrauen

    Wenn die Zeiten bedrohlich sind, wenn die Rechtsstaatlichkeit ausgehöhlt wird und abweichende Meinungen Repressionen zur Folge haben, dann erscheint es ratsam, sich ruhig zu verhalten und nicht aufzubegehren. Es gibt Menschen, die in solchen Situationen erst recht nicht schweigen können, die ihre Stimme nur noch klarer und deutlicher erheben. Zu dieser Art Menschen gehörte der Jesuitenpater Rupert Mayer, dessen Geburtstag sich heute zum 150. Mal jährt. Rupert Mayer wusste schon früh, dass er den geistlichen Weg einschlagen wollte. Nach seiner Priesterweihe und der Aufnahme in den Jesuitenorden wirkte er als Volksmissionar in den Niederlanden, in Deutschland, Österreich und auch in der Schweiz. Schliesslich kam er nach München, kümmerte sich als…

  • Stadtende

    Die leuchtenden Farben der Häuser bilden einen starken Kontrast zur finsteren Umgebung. Wie verloren in einer dunklen Leere wirkt die Stadt auf dem Bild von Egon Schiele. Und die Menschlein links scheinen sich am Rand eines Abgrundes zu befinden. Stürzen einige von ihnen nicht auch bereits? Das Werk trägt den Titel «Stadtende» und wurde 1918 geschaffen, im letzten Jahr des 1. Weltkrieges also, und im letzten Lebensjahr des Malers. Mit diesem Krieg war die vertraute Ordnung des 19. Jahrhunderts radikal zusammengebrochen. Diese Atmosphäre des Untergangs, des Endes scheint im Bild spürbar. Und es ist erschreckend, wie nahe es damit am Lebensgefühl unserer Gegenwart ist. Gerade erleben wir, wie die mühsam…

  • Umarmt

    Heute ist der Tag der Umarmung. Er erinnert uns an etwas zutiefst Menschliches: dass wir Nähe brauchen. Gehalten werden. Dass Berührung manchmal mehr sagt als jedes Wort. Oft beginne ich mein Gebet nicht mit Worten, sondern mit einer Vorstellung: Ich stelle mir vor, von Jesus umarmt zu werden. Nicht flüchtig, nicht symbolisch, sondern ganz konkret. Seine Arme um mich. Fest und ruhig. Ohne Eile, ohne Forderung. Diese Umarmung ist eine Gebetsform. Eine Weise, vor Gott zu sein, ohne etwas leisten zu müssen. Ich darf mich hineinlehnen. Mit allem, was ich bin. Mit meiner Müdigkeit. Mit meinen offenen Fragen. Meiner Freude, meinen Sorgen. Nichts muss zuerst gelöst oder erklärt werden. Ich…

  • Für Frieden gehen

    In den Vereinigten Staaten sind seit 26. Oktober 2025 buddhistische Mönche aus einem texanischen Kloster unterwegs auf einem «Walk for Peace». Sie haben sich eine Pilgerreise von ungefähr 3700 km vorgenommen, die im Februar 2026 in Washington, D.C. enden soll. Begleitet werden sie von einem Rettungshund namens Aloka, und sie dokumentieren ihren Weg in den sozialen Medien. Ihre Absicht ist es, auf Frieden, Mitgefühl und Gewaltlosigkeit aufmerksam zu machen. Da ist mir eine jüdische Geschichte in den Sinn gekommen, die vom Rabbi einer Stadt erzählt, in der Männer von Wohlhabenden angestellt wurden, um des Nachts deren Besitz zu bewachen. Der Geistliche ging eines Abends spazieren und begegnete solch einem Wächter.…

  • indes vielleicht eines tages

    Ernst Jandl war ein Autor, der vor allem mit experimenteller Lyrik bekannt wurde. Der Klang der Sprache und die Qualität ihrer Laute waren sein Material. Er verformte und zersetzte Worte und Sätze und verlieh ihnen damit überraschende Schärfe. Seine Texte leben von hintergründiger Ironie. Stark vom Katholizismus geprägt, setzte sich Jandl auch mit der Kirche und dem Glauben auseinander. Das folgende Gedicht ist ein Beispiel dafür: an gott / dass an gott geglaubt einstens er habe / fürwahr er das könne nicht sagen / es sei einfach gewesen gott da / und dann nicht mehr gewesen gott da / und dazwischen sei garnichts gewesen / jetzt aber er müsste sich…