-
Gewonnene Zeit
Das Smartphone zu Hause vergessen? Der Akku leer und keine Gelegenheit zum Aufladen? Das Mobiltelefon irgendwo liegengelassen? Löst dies heftige Gefühle aus, verursacht es sogar Schweissausbrüche, Herzrasen, eine innere Unruhe oder eine akute Panik, dann leidet die Person wohl an Nomophobie. Noch vor kurzem kannte ich dieses Wort überhaupt nicht. Es wurde vom Englischen «No Mobile Phone Phobia» zusammengezogen und meint so viel wie «die Angst, ohne Mobiltelefon zu sein». Die kleinen Geräte vereinen inzwischen so viele Funktionen in sich: Neben Telefon sind sie auch Brieftasche, Fahrplan, Landkarte, Kamera, Radio, Fernseher und vieles andere mehr. Heutzutage kommen wir tatsächlich kaum mehr ohne eines aus. Die Kehrseite ist, dass wir in…
-
Innere Glut
Der Februar ist oft eine Zwischenzeit. Draussen ist es kalt, farblos, müde. Der Frühling ist noch weit, der Winter zieht sich dahin. Vieles fühlt sich nach Aushalten an. Und manchmal auch nach innerer Leere. Gerade in solchen Momenten ist die Frage wichtig: Was wärmt mich wirklich – von innen her? Nicht nur kurzfristige Ablenkung oder Aktivität. Sondern etwas, das in mir wirkt. Das trägt. Das bleibt. Für mich ist das die Beziehung zu Gott. Sie ist nicht immer stark spürbar. Aber oft wie eine leise Glut – tief drinnen. Nicht spektakulär. Aber echt. Diese Wärme beginnt bei mir meistens nicht mit Gefühl, sondern mit einem einfachen Schritt: Ich bleibe still.…
-
Dem Schatten begegnen
«Seelenlandschaften» – so lautet die noch bis zum 15. Februar im Landesmuseum Zürich zu besichtigende Ausstellung über den bedeutenden Schweizer Psychiater und Tiefenpsychologen C. G. Jung. Auf dem Rundgang werden wir Zeugen der Auseinandersetzung Jungs mit den bahnbrechenden Studien seines Lehrers Sigmund Freud sowie den Aus- und Einwirkungen der tiefenpsychologischen Entdeckungen der beiden Seelenerforscher auf Literatur, Kunst, Philosophie und Gesellschaft. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht «Das Rote Buch», in welchem Jung uns einen tiefen, teils furchterregenden Einblick in sein Innenleben gewährt. Die darin von Jung kunstvoll gestalteten eigenen Traumbilder konfrontieren den Betrachter mit den zwei Seelen in des Menschen Brust. Jung nennt die von uns ins Unbewusste verstossenen, verleugneten dunklen…
-
Wenn die Kompassnadel flattert
Ein Name und ein Begriff haben das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos einschneidend geprägt: «Donald Trump» und «Krise». Genau besehen jagt seit der Finanzkrise 2008 ein Krisenszenario das nächste: Ukrainekrise, Klimakrise, Covidkrise, Gazakrise – und jetzt, verursacht durch die Aushebelung internationaler Verträge, Abkommen und Regelungen durch den machtbesessenen, immer autoritärer auftretenden amerikanischen Präsidenten, erleben wir eine epochale Krise der multilateralen Ordnungen. Die Welt steht kopf. Der Boden wankt. Eingewohnte Sicherheiten zerbröseln vor unseren Augen. Alle diese über uns herfallenden Auflösungserscheinungen lassen uns überfordert, verwirrt oder ohnmächtig zurück. Die Reaktionen der Menschen auf diese neue Weltunordnung fallen unterschiedlich aus: Die einen schützen sich, indem sie sich den Nachrichten- und Informationskonsum nach der…
-
Ende des Winters
In der Filmkomödie «Groundhog Day» von 1993 – mit deutschem Titel «Und täglich grüsst das Murmeltier» – fährt ein Wetterberichterstatter widerwillig für einen Beitrag über den Murmeltiertag in den Ort Punxsutawney. Dort wird jährlich am 2. Februar das Nagetier aus dem Winterschlaf geholt, um eine Vorhersage über das Ende des Winters zu machen. Der Reporter gerät im Film albtraumhaft in eine Zeitschleife und muss denselben Tag wieder und wieder erleben. Im christlichen Kalender ist der 2. Februar der Darstellung Jesu im Tempel gewidmet und Kerzen werden gesegnet; volkstümlich heisst der Tag auch «Mariä Lichtmess». In der Mitte zwischen Wintersonnwende und Frühlingstagundnachtgleiche werden die Tage wieder spürbar länger und wecken die…