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  • Zwischengeschoss

    Mitten im Trubel des Hauptbahnhofs Zürich liegt die Bahnhofkirche im Zwischengeschoss – ein Ort, der leicht übersehen wird. Gerade dort zeigt sich in gewissen Zeiten ein überraschendes Bild: Sonnenlicht fällt durch das Dach des Hauptbahnhofs bis in diesen tieferliegenden Raum. Es durchdringt Strukturen, die eigentlich trennen, und erreicht einen Ort, der nicht direkt im Blickfeld der Menschen liegt. Dieses Bild lässt sich übertragen. Auch im eigenen Leben gibt es Bereiche, die sich wie ein Zwischengeschoss anfühlen: nicht ganz sichtbar, nicht ganz bewusst, manchmal vernachlässigt. Es sind Erfahrungen, Gedanken oder Gefühle, die wenig Aufmerksamkeit bekommen – sei es, weil sie unangenehm sind, weil sie als unbedeutend erscheinen oder weil man nicht…

  • Hier bin ich

    Als Seelsorger wird man manchmal mit konkreten Fragen zum Glauben konfrontiert. Z.B. mit der, wie man beten soll. Darauf gibt es keine einzig richtige Antwort. Im Ersten Testament der Bibel, im Buch  1. Samuel, Kapitel 3, findet sich ein Text, der für mich in seiner archaischen Fremdheit etwas davon ausdrückt, was Beten sein kann. Er schildert die Berufung des jungen Israeliten Samuel zum Propheten. Der Knabe dient dem Priester Eli in der Stiftshütte Israels. In dieser Hütte werden die beiden heiligen Steintafeln aufbewahrt, auf denen die von Gott verliehenen Zehn Gebote stehen. Eines Nachts erwacht Samuel, weil er eine Stimme hört, die ihn beim Namen ruft. «Hier bin ich», antwortet…

  • Gottes Zuwendung, körperlich

    Intensiv leuchtet das Rot vor dem blauen Hintergrund des abgebildeten Kirchenfensters. Es stammt von Max von Mühlenen und befindet sich in der Thomaskirche Liebefeld bei Bern. Man kann sich der Kraft des farbigen Lichtes kaum entziehen. Um das Rot ist in einfachen schwarzen Strichen ein Abendmahlskelch gezeichnet. Damit deutet die Farbe auf den Wein hin, der im Mahl geteilt wird. Dieser wiederum steht nach christlichem Verständnis für das Blut Jesu. Das Blut, welches in Jesu Sterben am Kreuz vergossen wurde. Ein Zeichen des Leidens und Sterbens also.Christ:innen verstehen dies so: In Jesus ist Gott uns Menschen so nahegekommen, dass er / sie unsere eigenen Verwundungen, Verletzungen und unser Sterben geteilt…

  • Einatmen – ausatmen

    Der Gottesname JAHWEH wird im Hebräischen ohne Vokale geschrieben, nur Konsonanten: JHWH. Man weiss bis heute nicht mit letzter Sicherheit, wie er ursprünglich ausgesprochen wurde. Aus religiöser Ehrfurcht wurde der Name oft gar nicht ausgesprochen. Das Offenlassen, das nicht Festlegen, nicht Fixieren lässt irgendwie Raum für Atem, für Bewegung – zwischen den Konsonanten, aber auch in der Seele. Der Gottesname lässt sich eben nicht festhalten wie ein gewöhnliches Wort. Gott entzieht sich Definition und Kontrolle. Denn Gott ist nicht Bezeichnung, er ist Beziehung. Manche deuten das Wort deshalb weniger als gesprochenen Namen, sondern als etwas, das eher geschieht als gesagt wird: nicht Sprache, sondern Vollzug, nicht Information, sondern Erfahrung. Der…

  • Unbestellt

    Im Weg-Wort vom 15. Mai habe ich von der Ideenlosigkeit geschrieben, die mich beim Verfassen des Textes befiehl. Ich habe sie in Verbindung gebracht mit der Situation der Anhänger:innen Jesu am Tag nach Himmelfahrt. Ohne ihren Lehrer waren sie orientierungslos, und sein Geist, dessen Kommen er ihnen versprochen hatte, war noch nicht erschienen. Es war noch nicht Pfingsten. Auch bei ihnen herrschte Rat- und Ideenlosigkeit. Ich habe sodann die Hoffnung ausgedrückt, dass mich bei meinem nächsten Weg-Wort – dem heutigen zu Pfingsten – der Heilige Geist zu neuen Gedanken inspirieren werde. Aber: So kann das natürlich nichts werden! Der Geist kommt ja nicht auf Bestellung. Jesu Anhänger:innen wussten auch nicht,…