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Quitten
Im Herbst liegen sie wieder da: die Quitten. Golden, fest und mit einem Duft, der unverwechselbar ist. Schon eine einzige Frucht kann einen ganzen Raum erfüllen. Wer eine Quitte aufschneidet, entdeckt zunächst ein helles, unscheinbares Fruchtfleisch. Erst wenn sie geschnitten und langsam erhitzt wird, geschieht etwas Erstaunliches: Ihre Farbe verändert sich. Aus dem Hellen entsteht mit der Zeit ein warmes Rot. Eine Farbe tritt hervor, die vorher nicht zu sehen war. Ein Bild für Gottes Blick auf uns Menschen. Wir sehen meist das, was gerade sichtbar ist: das Gelungene und das Unfertige, unsere Möglichkeiten und unsere Grenzen. Gott sieht tiefer. «Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr…
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Von guten und bösen Geistern
Unsere Welt verändert sich stetig, und wir alle tragen mit unseren Entscheidungen dazu bei, wohin sie sich entwickelt. Wann immer wir Entscheidungen treffen, haben diese Auswirkungen auf uns und unseren Lebensweg – oft auch auf andere Menschen oder die Welt, die uns umgibt. Doch was beeinflusst unsere Entscheidungen? Und welche Einflüsse wirken auf uns? Einflüsse erreichen uns auf unterschiedliche Weise: von aussen durch die Welt und die Menschen, die uns umgeben, oder durch unser Inneres, als Eingebungen oder Träume. Als Christ:innen vertrauen wir auf Eingebungen des «Heiligen Geistes», weil uns diese auf einen Lebensweg führen, der für uns und andere dienlich ist. Entsprechend bezeichnen wir Menschen, die Gutes tun, als…
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Kastanien
Im Herbst liegen sie plötzlich auf den Wegen: Kastanien, glatt und glänzend, manche noch verborgen in ihrer stacheligen Hülle. Was im Sommer gewachsen ist, wird nun sichtbar. Die Hülle springt auf und gibt frei, was sie über Monate geschützt hat. Schutz gehört zum Leben. Wir brauchen Grenzen, Rückzug und Zeiten, in denen etwas in uns heranreifen darf, ohne gleich nach aussen getragen zu werden. Auch Jesus kennt diesen Rückzug. Die Evangelien erzählen immer wieder, dass er sich von den Menschen entfernt, in die Einsamkeit geht und betet. Er ist nicht ununterbrochen verfügbar. Sein Wirken lebt aus einer Beziehung, die dem Sichtbaren vorausgeht, aus seiner Verbundenheit mit dem Vater. Doch auch…
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Lärchenorange
Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938) gelingt in seinem Bild «Sertigtal im Herbst» etwas Bemerkenswertes. Mit wenigen Pinselstrichen und einer präzisen Wahl der Farbtöne lässt er Lärchen als Lärchen erscheinen. Er malt sie nicht im Detail. Dennoch erkennt der Betrachter sie unmittelbar – nicht nur als Bäume, sondern als herbstliche Lärchen. Kunsthistorisch ist dies eine Stärke des Expressionismus. Die Farbe dient nicht in erster Linie der naturgetreuen Wiedergabe, sondern der Verdichtung einer Erfahrung. Sie trägt Stimmung, Licht und Atmosphäre. Kirchner malt weniger das sichtbare Objekt als das Erleben des Motivs.Gerade darin liegt die besondere Wirkung seiner Bilder. Die Farben rufen Erinnerungen und Emotionen wach. Der Betrachter meint die klare Bergluft…
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Ein kurzer Blick auf den See
Wenn ich am Morgen zur Bahnhofkirche gehe, wähle ich – wenn möglich – den Weg, auf dem ich den Zürichsee wenigstens für einen kurzen Moment sehen kann. Es gibt verschiedene schöne Routen von meinem Zuhause hin zur Bahnhofkirche. Trotzdem zieht es mich immer wieder dorthin, wo der Zürichsee sichtbar wird. Mich interessiert, wie der See heute aussieht: welche Farbe er hat, welche Stimmung er ausstrahlt, wie sich seine Oberfläche bewegt. Der See ist für mich mehr als eine Landschaft. Seine Weite und ruhige, grosse Bewegung erinnern mich daran, dass es etwas Grösseres gibt als das, was mich im Alltag beschäftigt. In diesem kurzen Augenblick richte ich mein Herz auf Gott…