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Unbestellt
Im Weg-Wort vom 15. Mai habe ich von der Ideenlosigkeit geschrieben, die mich beim Verfassen des Textes befiehl. Ich habe sie in Verbindung gebracht mit der Situation der Anhänger:innen Jesu am Tag nach Himmelfahrt. Ohne ihren Lehrer waren sie orientierungslos, und sein Geist, dessen Kommen er ihnen versprochen hatte, war noch nicht erschienen. Es war noch nicht Pfingsten. Auch bei ihnen herrschte Rat- und Ideenlosigkeit. Ich habe sodann die Hoffnung ausgedrückt, dass mich bei meinem nächsten Weg-Wort – dem heutigen zu Pfingsten – der Heilige Geist zu neuen Gedanken inspirieren werde. Aber: So kann das natürlich nichts werden! Der Geist kommt ja nicht auf Bestellung. Jesu Anhänger:innen wussten auch nicht,…
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Der Wind weht, wo er will
Wie ein Sturmwind erfasste es die Menschen: Sie spürten Wärme, eine Kraft und neue Energie. Noch mehr Menschen kamen hinzu: Menschen aus vielen Ländern, Kulturen und Religionen. Über alle menschlichen Grenzen hinweg spürten und verstanden sie gemeinsam: Jetzt geht es um Wahrheit und Sinn. Begeistert spürten diese Menschen Gottes Geist. Damals, vor rund 2000 Jahren. An Pfingsten erinnern wir uns daran. Gottes Geist weht von allem Anfang an. Schon vor der Schöpfung. Gottes Geist weht durch die Bibel. Durch die Kirchengeschichte. Und weit darüber hinaus. Ich glaube: Gottes Geist weht auch in jedem Menschen. Immer wieder. Vielleicht haben Sie Gottes Geist auch schon gespürt: als plötzliches Glücksgefühl oder als tiefe…
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Verstanden, antworten
Beim professionellen Funken im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr oder im Militär gilt eine eiserne Regel: Wer einen Funkspruch empfängt, muss immer zuerst «Verstanden» sagen, dann den Inhalt der gehörten Botschaft kurz wiederholen und erst danach mit dem Wort «Antworten» die eigene Nachricht anfügen. Diese strenge Funkdisziplin hat einen lebenswichtigen Grund. Wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden, wenn Häuser brennen oder ein Notfall ausbricht, darf kein Raum für Missverständnisse bleiben. Jede Botschaft muss sofort und unmissverständlich in Tat umgesetzt werden. Die Zeit drängt. Wie ganz anders kommunizieren wir im Alltag. Wenn wir durch die Bahnhofshalle hasten, im Büro Mails tippen oder abends am Küchentisch sitzen, wenden wir diese Regel selten…
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Orangenduft
Manchmal genügt ein einziges Objekt, um in uns eine ganze Welt zu öffnen. Die alte Glasdose auf meinem Fenstersims mit den Olivenbaumzweigen darin, die Etikette, der Geruch von Zitrusfrüchten – und plötzlich entstehen Verbindungen: Bilder von Sommer, Landschaften im Süden, Wärme auf der Haut, ein Gefühl von Weite und Leichtigkeit. Unser Gehirn arbeitet vernetzt. Es verknüpft Sinneseindrücke, Erinnerung und Gefühle zu einem inneren Raum, der weit über das Sichtbare hinausgeht. So funktioniert menschliche Wahrnehmung. Sie ist nicht nur ein Erfassen von Fakten, sondern ein lebendiger Prozess, in dem Bedeutung entsteht. Mit dieser Art des Wahrnehmens können wir auch auf die Schöpfung schauen. Dinge, Landschaften, Farben, aber auch Menschen tragen Spuren…
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Wahrer Protest
Dries van Noten eröffnete kürzlich in Venedig eine Ausstellung mit dem Titel: «The Only True Protest is Beauty» – «Der einzig wahre Protest ist Schönheit». Diese Aussage hat etwas Berührendes, und doch spüren wir sofort: Ganz so einfach ist es nicht. Es braucht auch Widerspruch, der laut wird, wenn Unrecht geschieht. Klare Worte, die benennen, was nicht stimmt. Zivilcourage, die eingreift. Politisches Handeln, das Strukturen verändert. Schutz für Schwache. Und dennoch berührt dieser Satz. Weil er etwas anklingen lässt, das tiefer liegt. Schönheit ist keine Flucht. Sie ist eine Weise, in der Welt zu sein. Eine Weise zu antworten, ohne zu zerstören. Eine Kraft, die nicht niederdrückt, sondern hebt. Der…