Optimistisch statt optimiert

Viele Menschen spüren einen Druck, ihr Leben und ihre Umstände immer und immer mehr zu verbessern. Das gilt längst nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in ihrer Freizeit. Ja sogar Pensionierte haben oft das Gefühl, dass sie aus ihrem verdienten Ruhestand nicht das Beste machen können und sie noch mehr aus sich uns ihrer Zeit machen sollten.

Der Druck, alles und zuletzt auch sich selbst zu optimieren nimmt unsere Kultur derart ein, dass eine andere Fähigkeit verloren geht: der Optimismus. Das ist eine Haltung, die trotz ungewisser Zukunft, trotz wirklichen Bedrohungen und auch entgegen einer gar nicht ideal Ausgangslage sagen kann: das Gute siegt, es kommt gut.

Bild: Christian Walti

Optimismus lässt sich genau so kultivieren wie das Optimieren. Indem wir immer wieder die Routinen des Alltags unterbrechen, den Lärm der Medienströme auf dem Handy für einen Moment ausschalten und uns ganz auf uns selbst oder auf Botschaften in der Stille konzentrieren. Unser Optimierungsdrang muss zwischendurch einfach gestoppt werden! Die Botschaften in der Stille sind weniger eindeutig, aber viel friedlicher und wärmer.

Der Prophet Jesaja (30,15) empfiehlt seinen Zeitgenoss*innen schon vor fast 3000 Jahren: «Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr befreit. Im Stillsein und Vertrauen liegt eure ganze Kraft.»