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Orangenduft

Bildquelle: Veronika Ebnöther

Manchmal genügt ein einziges Objekt, um in uns eine ganze Welt zu öffnen. Die alte Glasdose auf meinem Fenstersims mit den Olivenbaumzweigen darin, die Etikette, der Geruch von Zitrusfrüchten – und plötzlich entstehen Verbindungen: Bilder von Sommer, Landschaften im Süden, Wärme auf der Haut, ein Gefühl von Weite und Leichtigkeit. Unser Gehirn arbeitet vernetzt. Es verknüpft Sinneseindrücke, Erinnerung und Gefühle zu einem inneren Raum, der weit über das Sichtbare hinausgeht.

So funktioniert menschliche Wahrnehmung. Sie ist nicht nur ein Erfassen von Fakten, sondern ein lebendiger Prozess, in dem Bedeutung entsteht.

Mit dieser Art des Wahrnehmens können wir auch auf die Schöpfung schauen. Dinge, Landschaften, Farben, aber auch Menschen tragen Spuren in sich, die etwas Grösseres andeuten. Sie lassen Eigenschaften Gottes anklingen: Fülle, Schönheit, Kraft, Zartheit, Lebendigkeit.

Wer so schaut, beginnt Zusammenhänge zu sehen. Die Welt wird nicht nur zur Umgebung, sondern zum Resonanzraum. Wahrnehmung wird zu einem Prozess des Entdeckens. Und darin kann sich Entscheidendes zeigen: dass Gott nicht fern und abstrakt ist, sondern in den vielen kleinen, konkreten Erfahrungen aufscheint – zusammengesetzt aus dem, was uns berührt, bewegt und sich mit unserem Innern und der Erfahrung unserer Seele verbindet. (ve)