Pastagenuss
Eine Gabel, ein einziger Bissen Pasta. Mehr braucht es nicht für dieses Gefühl von Italien – alles ist da: Wärme, Duft, das Dolcefarniente. Die Italianità… ein Gefühl, das wir so oft in der Ferne suchen: in Reisen, in (teuren) Restaurants, in langen Ferien. Als müsste man weit gehen, um tief zu fühlen.
Aber vielleicht stimmt das ja nicht. Vielleicht beginnt Genuss nicht dort, wo es besonders ist, sondern dort, wo wir bereit sind, das Einfache ernst zu nehmen. Eine gute Pasta zu Hause. Ein Moment am Tisch. Ein Innehalten. Es braucht kein Flugticket, keine Wochen Zeit, kein grosses Budget. Es braucht Aufmerksamkeit. Qualität. Einen Sinn für das Detail.
Und irgendwie Demut.
Die Demut zu erkennen: Was brauche ich wirklich? Was nährt mich – nicht nur meinen Körper, sondern auch mein Herz? So oft suchen wir Erfüllung im Grossen, im Entfernten, im Mehr. Und übersehen dabei das Nahe. Das Einfache. Das, was schon ist.
Das Wesentliche ist manchmal unscheinbarer, als wir denken.
Und es ist ein Geschenk. Denn das, was unsere tiefsten Bedürfnisse stillt, können wir nicht herstellen. Nicht erzwingen. Nicht kaufen. Wir können es uns nur schenken lassen. Im Moment. In der Gegenwart. In diesem einen Bissen, der plötzlich mehr ist als Nahrung.
Und letztendlich gilt: Gott ist kein fernes Ziel. Kein Luxus, den man sich leisten muss. Er ist die stille Fülle im Einfachen. Der, der uns nährt – mitten im Alltag. Wenn wir bereit sind, zu sehen. (ve)
