Richtig wichtig
Wir leben in einer Zeit, in der es üblich geworden ist, öffentlich zu verkünden, wie wichtig man ist. Auch die Kirchen tun das. Und das ist nachvollziehbar: Die Mitglieder schwinden, der Ruf ist nicht mehr der beste, und viele wissen gar nicht mehr, was Kirchen in der Gesellschaft leisten.
Trotzdem fühle ich mich oft nicht wohl, wenn Vertreter:innen der Kirchen die Wichtigkeit ihrer Institution behaupten. Und zwar dann, wenn es wie aus einem Reflex geschieht und ohne selbstkritisches Nachdenken. Dann, wenn es im Sinne von „Wir sind Kirche und darum sind wir wichtig für euch“ daherkommt.
Kirchenferne Menschen erleben uns da oft ganz anders.
Sind die Kirchen wirklich so wichtig, oder überschätzen wir uns manchmal einfach?

Dasselbe Phänomen nehme ich allerdings auch in anderen Milieus wahr, z.B. bei vielen Theaterschaffenden. Man geht oft selbstverständlich davon aus, dass man mit den Stücken, die man schreibt oder aufführt, etwas beinahe Unverzichtbares für die Gesellschaft tut. Als ob die Menschen sich nicht auch schon selbst und in anderer Weise mit den Themen der Stücke auseinandergesetzt hätten.
Oft denke ich deshalb: Wichtig wird man doch nicht, indem man behauptet, man sei wichtig, sondern in dem man tatsächlich wichtig ist. Indem man also etwas tut und leistet, das Relevanz entfaltet.
Und ich mag den Glauben daran nicht aufgeben, dass etwas wirklich Wichtiges sich durchsetzt und wahrgenommen wird, ohne dass man die ganze Zeit davon spricht, sondern indem man es einfach tut.
Foto: Marco Verch. Quelle: CCNULL (https://ccnull.de/foto/roter-post-it-zettel-mit-ausrufezeichen-auf-holzuntergrund/1098009)