Ripple Effect

Stehe ich am Ufer eines Sees oder Weihers, beginne ich ganz automatisch nach handlichen flachen Steinen Ausschau zu halten, und freue mich immer wieder, wenn ich einen solchen finde und ihn über das Wasser springen lassen kann. Ist das Gewässer ganz ruhig, dann gehen von jedem Auftreffen des Steins auf der Oberfläche kreisförmige Wellen aus, und ich liebe es zu beobachten, wie sie sich immer weiter ausbreiten, wie sie ineinanderfliessen, einzigartige Muster bilden und noch bis weit hinaus zu beobachten sind.

Das Licht der Abendsonne auf den Wellen des Vierwaldstättersees
Das Licht der Abendsonne auf den Wellen des Vierwaldstättersees

Solche Welleneffekte – in englischer Sprache als «ripple effect» bezeichnet – gibt es auch im übertragenen Sinn. Man spricht davon, wenn einzelne und an sich unspektakuläre Handlungen viel weiter als beabsichtigt Wirkung entfalten, besonders im menschlichen Miteinander. Eine Freundlichkeit, die ich am Morgen einer fremden Person auf der Strasse erweise, kann weiterwirken und über den Tag Kreise ziehen. Lasse ich unachtsam meine schlechte Laune an anderen Menschen aus, dann kann auch das Wellen schlagen und im Verlauf des Tages vielen Menschen die Freude schmälern.

Als soziale Wesen stehen wir Menschen in Verbindung miteinander, unabhängig davon, ob wir es wahrnehmen oder nicht. Stellen Sie sich vor, wir alle würden unseren Handlungen immer wieder Bewusstheit und Aufmerksamkeit schenken und sie zunehmend so gestalten, wie wir selbst gern behandelt werden möchten. Der «ripple effect» würde unser Miteinander schon in kürzester Zeit angenehmer und menschlicher machen. Es hätte Auswirkungen auf die Gestaltung unserer Gemeinschaften im Kleinen und Grossen. Ich glaube fest daran, dass Gott in den Wellen der Menschlichkeit ganz besonders zu Hause ist.