Schattenkreuz

«Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.» Mit diesen Worten beginnt die pastorale Konstitution «Gaudium et spes» des zweiten Vatikanischen Konzils, die 1965 verkündet wurde.

Kunstinstallation «Schattenkreuz» von Christa Henn
Kunstinstallation «Schattenkreuz» von Christa Henn in der Herz Jesu Kirche in Erlangen; eigenes Foto.

Vergangene Woche habe ich in der Herz Jesu Kirche in Erlangen eine Kunstinstallation von Christa Henn gesehen, welche in meinen Augen ganz für diese Konzilsaussage steht. Auf den ersten Blick sieht man bläulich-graue Flächen, die an den Wänden befestigt sind oder wie eine grosse transparente Folie von der Decke herunterhängen. Das Werk heisst «Schattenkreuz», und bei näherem Betrachten erkennt man, dass es sich um Collagen aus alten Röntgenbildern handelt.

Röntgenbilder dienen als Mittel der medizinischen Diagnose. Im Schattenkreuz repräsentieren sie hunderte oder gar tausende von Schicksalen mit ihren Ängsten vor einem schlechten ärztlichen Bescheid, dem Schock und der Trauer, wenn sich die Hiobsbotschaft bestätigte, aber auch mit den Hoffnungen, dass der Arzt Entwarnung geben kann und der Freude, wenn ein Verdacht ausgeräumt werden konnte.

Das Schattenkreuz von Christa Henn und seine Platzierung in der Kirche machen darauf aufmerksam, dass all diese menschlichen Regungen vor Gott und in den Gotteshäusern Platz haben. Wir brauchen nichts zu verdrängen, dürfen alles fühlen, und wenn wir es mit Menschen unseres Vertrauens teilen, hat dies eine heilsame Wirkung. Genau dafür ist auch die Bahnhofkirche da.

Das Werk «Schattenkreuz» bleibt bis 15. November in der Herz Jesu Kirche Erlangen.