Seifenblasen
Immer wieder einmal, wenn ich am Quai in Luzern spazieren gehe, sehe ich einen Mann, der an die Spitzen von zwei Teleskopruten zwei ungleich lange Schnüre befestigt hat, diese in einen Eimer mit Seifenlauge taucht und die benetzen Schnüre dann so durch die Luft zieht, dass riesige Seifenblasengebilde entstehen, die regenbogenfarbig schillernd durch die Luft wabern, bis sie sich nach kurzer Zeit mit einem stillen «Plopp» wieder auflösen.
Für die Kinder ist der Mann und seine Seifenblasen natürlich ein Anziehungspunkt. Sie strömen herbei, bestaunen mit grossen Augen die sich verändernden farbenfrohen Gebilde, springen ihnen hinterher und bringen sie manchmal zum Platzen, wenn sie sie erreichen können. Giggeln und Lachen ist zu hören, die reine Freude der jungen Menschen ist greifbar, ungetrübtes Glück des Augenblicks, welches der Mann mit seiner Kunst herbeizaubert.
In der Erwachsenenwelt ist die Seifenblase häufig ein Synonym für Enttäuschung. «Sein Traum ist geplatzt wie eine Seifenblase», sagt man und bedauert die Kurzlebigkeit, Unbeständigkeit und Fragilität so vieler Vorhaben. Das Dauerhafte und Handfeste scheint deutlich mehr Wertschätzung zu erhalten.
Beim Betrachten des Seifenblasen-Manns frage ich mich, ob er vielleicht ein treffendes Sinnbild für Gott sein könnte. Aus der göttlichen Perspektive der Ewigkeit besteht alles nur für eine kurze Weile, und jedes Leben gleicht einer Seifenblase, die entsteht, kurz schimmert und sich sogleich wieder auflöst. Anstatt darüber in Melancholie zu verfallen, könnten wir uns an der Vielfalt der Farben und Formen erfreuen wie die Kinder, im Vertrauen darauf, dass alles Werden und Vergehen in Gottes Händen liegt. Vielleicht darf das Leben die Leichtigkeit der Seifenblasen besitzen, wenn wir den Einladungen in der Schrift folgen: «Sorget euch nicht!» (Mt 6,34) und «Freut euch zu jeder Zeit!» (1Thess 5,16) (jr)
