Es sich selbst recht machen

«Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.» So lautet ein deutsches Sprichwort. Es liegt auf der Hand: Ein Mensch würde sich völlig aufgeben, würde er jede Person, die ihm begegnet, zufriedenstellen wollen. Er würde einer Fahne im Wind gleichen, würde jegliche Kontur und jedes Gefühl für Abgrenzung verlieren.

Es sich selbst recht zu machen, ist wichtiger Bestandteil in jeder Beziehung. Bildquelle: ymyphoto auf pixabay.com

Es ganz buchstäblich allen recht zu machen, wird im realen Leben wohl kaum jemand anstreben, doch kennt vermutlich jeder und jede dieses Bemühen gegenüber Personen, die eine besondere Rolle spielen. Es sind zum Beispiel Leute in einer übergeordneten Position, Lehrpersonen, Vorgesetzte, Arbeitgebende und Autoritäten. Ihre Erwartungen zu erfüllen ist oft mehr als blosse Schmeichelei. Es kann tatsächlich notwendig sein für einen erfolgreichen Schulabschluss, für den Erhalt der Arbeitsstelle oder für soziale Anerkennung. So gesehen können wir es nie ganz vermeiden, es gewissen Anderen recht zu machen.

In Partnerschaften und Liebesbeziehungen ist es verbreitet, es dem Partner oder der Partnerin recht machen zu wollen. Übersteigerte Verliebtheit, Angst vor dem Verlassenwerden, und andere Gründe können der Auslöser dafür sein. Gerade in Beziehungen erreicht man damit oft das Gegenteil des Erwünschten. Man wird für sein Gegenüber unfassbar, verleugnet und hintergeht sich selbst und verliert die Achtung des Partners und seiner selbst.

Anfänglich kann es Überwindung kosten, es sich selbst recht zu machen, sich dem anderen zuzumuten mit allem, was da ist, und dort, wo es nötig ist, auch Grenzen zu setzen. Schlussendlich macht es Partnerschaften und auch Gemeinschaften für alle wertvoller, echter, erwachsener und lebenswerter.