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Sperrig und schräg

Am 31. März war das Weg-Wort einem Kunstwerk in der katholischen Kirche in Saignelégier gewidmet. Die Fenster dieser Kirche wurden durch den Künstler Florian Froehlich neu interpretiert. Er schuf Glasstelen – jede zu einem biblischen Text – die er vor die bestehenden Fenster platzierte.

Heute, kurz nach Ostern, sehen wir eine Stele zur Auferstehung.
Die Glaselemente sind mehrheitlich farblos. Auffallend oft sind dreidimensionale, aus der Fläche hervorragende Querbalken aus aufgerautem Glas eingefügt.
Man meint, durch diese Stele hindurchsehen zu können – aber dann geht es doch nicht. Das Glas widersetzt sich. Die schwarzen Verbindungslinien der Bleifassung und diese rauen Glasbalken scheinen die Aufwärtsbewegung der Stele zu blockieren. Und überhaupt steht sie ja schräg im Fenster. Auffällig sind auch die Einsprengsel aus dunklem Rot.

Das Werk ist der Ostererzählung im Johannesevangelium gewidmet. Petrus und der sogenannte «Lieblingsjünger» hören von Maria am Ostermorgen, das Grab Jesu stehe offen und der Leichnam sei nicht mehr da. Sie eilen hin. Tatsächlich fehlt der Leichnam. Nur Tücher liegen noch da. Und sehr eigentümlich heisst es dann von dem Lieblingsjünger: «Er sah und er glaubte.»

Was aber sah der Jünger? Zurückgelassenes in einer leeren Höhle; das Fehlen des Jesus. Aber keinen Auferstandenen. Dass daraus der Glaube an Christus als auferstandenen Gottessohn erwächst, ist alles andere als naheliegend.

Die Stele von Florian Froehlich stellt für mich das Herausfordernde dieses Glaubens dar: Er ist sperrig wie die Glasbalken und steht schräg zu den bekannten Ordnungen. Aber manchmal gibt es Momente wie ein rotes Aufleuchten, in denen wir «sehen», in denen wir das Unglaubliche glauben können.
Nicht als «Hindurchsehen», nicht als Wissen, sondern als Hoffen oder gar Vertrauen wider das Wissen. Manchmal gar als Gewissheit.

Abb: Florian Froehlich, Résurrection, 2009, Eglise Notre-Dame de l’Assomption, Saignelégier, Schweiz. Foto: Privat