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Spiritus dilutus

Bildquelle: privat

Auf dem Bild ist eine alte Apothekerflasche mit der vergilbten Etikette: «Spiritus dilutus» – verdünnter Geist. In der Apotheke ist Verdünnung sinnvoll. Sie macht eine Substanz verträglicher, anwendbar, brauchbar. Reiner Geist, also in diesem Fall Alkohol, wäre zu stark, zu brennend. Also mischt man Wasser hinzu. Die Kraft bleibt, aber in einer Form, die z.B. der Körper aufnehmen kann.

Beim Wort «Spiritus» kann man aber auch an den Heiligen Geist denken. Und ihn verbinden wir nicht mit Verdünnung oder sogar Abschwächung. Im Gegenteil. Der Heilige Geist ist Ursprung, Bewegung, Schöpferkraft: «Die Erde war wüst und wirr (…) und Gottes Geist schwebte über dem Wasser» (Gen, 1,2), heisst es am Anfang der Bibel. Der Heilige Geist ist schöpferisch und dies bisweilen mit ziemlicher Urgewalt. Oder er kam – angekündigt von einem stürmisch brausenden Wind – in der Form von Feuer auf die Apostel herab, als sie an Pfingsten ängstlich versammelt waren, und erfüllte sie mit seiner Kraft (Apg 2,1ff).

Und doch ist er auch subtil und fein, osmotisch. Er durchwirkt uns. Unser Denken, unser Fühlen, unser Handeln. Nicht verwässernd, sondern eben durchmischend. Es ist an uns, uns durchlässiger zu machen. Nicht den Heiligen Geist zu verdünnen – durch Zynismus, Geschäftigkeit, Oberflächlichkeit -, sondern sich seinem Wirken zu öffnen. Bereitschaft zeigen, dass er unser Denken, Tun und Handeln durchwirken kann. Ein einfaches Gebet reicht, ein Ausrichten der Seele auf den Heiligen Geist hin. Immer wieder. Denn im Grunde genommen geht es nicht darum, mehr zu tun, mehr zu verstehen, sich noch mehr anzustrengen. Es geht um die Bereitschaft, mit Gott in Beziehung zu treten. Und zu erlauben, dass etwas durch uns hindurch wirkt, das grösser ist, als wir selbst. (ve)