Stetige Veränderung der Sachlage
Ich schaue der Sanduhr zu.
In einem geraden Strahl rieselt der Sand nach unten.
Es ist nicht spektakulär. Es scheint immer dasselbe zu sein: In einem geraden Strahl rieselt der Sand nach unten.
Es scheint immer dasselbe zu sein, aber es ist nicht langweilig. Es beruhigt mich.
Und es ist auch überhaupt nie dasselbe. Denn stetig verändert sich die Sachlage. Der Sand oben nimmt ab. Der Sand unten wächst an. Von Hundertstelsekunde zu Hundertstelsekunde.
Was tue ich da eigentlich?
Ich sehe der Zeit beim Verrinnen zu.
Tue ich also nichts?
Nein, es ist aktives, beteiligtes Schauen.
Ein Da-Sein im Dasein.
Ich lebe den Moment und bin mir bewusst, dass er immer schon vorüber ist und der nächste schon da ist, der aber auch schon wieder vorüber ist in dem Moment, in dem ich denke, dass er jetzt da ist. Und dann kommt schon der nächste Moment und wieder der nächste. Und keiner ist gleich wie der andere. Es ist nur manchmal mein Eindruck, dass sich nichts ändert und es immer dasselbe ist.
So verrinnt die Zeit.
So verrinnt mir die Zeit.
Bei vollem Bewusstsein.
Unsere Tage zu zählen, lehre uns, Gott, damit wir ein weises Herz gewinnen.
So steht’s im Psalm 90.
Foto: Bahnhofkirche Zürich
