Umarmt
Heute ist der Tag der Umarmung. Er erinnert uns an etwas zutiefst Menschliches: dass wir Nähe brauchen. Gehalten werden. Dass Berührung manchmal mehr sagt als jedes Wort.
Oft beginne ich mein Gebet nicht mit Worten, sondern mit einer Vorstellung: Ich stelle mir vor, von Jesus umarmt zu werden. Nicht flüchtig, nicht symbolisch, sondern ganz konkret. Seine Arme um mich. Fest und ruhig. Ohne Eile, ohne Forderung.
Diese Umarmung ist eine Gebetsform. Eine Weise, vor Gott zu sein, ohne etwas leisten zu müssen. Ich darf mich hineinlehnen. Mit allem, was ich bin. Mit meiner Müdigkeit. Mit meinen offenen Fragen. Meiner Freude, meinen Sorgen. Nichts muss zuerst gelöst oder erklärt werden. Ich werde gehalten.
Von Jesus umarmt werden heisst: Ich falle nicht aus der Welt. Ich bin eingebettet. Getragen. Gehalten von einer Liebe, die grösser ist als mein Verstehen. Diese Umarmung richtet auf, ohne zu drängen. Sie tröstet, ohne zu beschönigen. Sie stärkt.
Das ist auch Glaube: sich immer wieder in diese Umarmung zu stellen. Sich vorstellen, was wahr ist, auch wenn man es nicht fühlt.
«Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt» (Mt 28,20).
Wenn wir uns in die Umarmung Jesu begeben, verändert sich unser Blick. Auf uns. Auf andere. Auf das Leben. Wir gehen weiter – gehalten – Schritt für Schritt. In einer Liebe, die bleibt.
