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Unbestellt

Im Weg-Wort vom 15. Mai habe ich von der Ideenlosigkeit geschrieben, die mich beim Verfassen des Textes befiehl. Ich habe sie in Verbindung gebracht mit der Situation der Anhänger:innen Jesu am Tag nach Himmelfahrt. Ohne ihren Lehrer waren sie orientierungslos, und sein Geist, dessen Kommen er ihnen versprochen hatte, war noch nicht erschienen. Es war noch nicht Pfingsten. Auch bei ihnen herrschte Rat- und Ideenlosigkeit.
Ich habe sodann die Hoffnung ausgedrückt, dass mich bei meinem nächsten Weg-Wort – dem heutigen zu Pfingsten – der Heilige Geist zu neuen Gedanken inspirieren werde.

Aber: So kann das natürlich nichts werden!

Der Geist kommt ja nicht auf Bestellung. Jesu Anhänger:innen wussten auch nicht, dass in 10 Tagen Pfingsten sein und das versprochene Geistwunder geschehen würde. Jesus hatte kein Datum verheissen.

Und wenn man den biblischen Text liest, wird deutlich, dass der Geist jäh und überraschend in die Situation einbrach. Es heisst, dass «auf einmal vom Himmel her ein Brausen» gekommen sei. (Apostelgeschichte 2, Vers 2)

Den Heiligen Geist kann man nicht herbeizwingen. Er geschieht an den Menschen. So liest man es im Johannesevangelium, wo Jesus sagt: «Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, weisst aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.»
Wenn ich das lese, denke ich, ich könnte es doch eigentlich gelassen nehmen; könnte beruhigt durchs Leben gehen. Denn ich brauche nichts zu leisten. Ich muss nur offenbleiben. Der Geist kommt zu seiner Zeit. Er wird sich schon zu mir hinwehen. Und vielleicht merke ich es dann gar nicht mal; oder erst, nachdem er bei mir war.

Über den Heiligen Geist verfügen wir nicht. Aber es fügt sich, dass er an uns wirkt.

Und immerhin: Ich habe nun zu diesem Pfingstsonntag etwas einigermassen Geistreiches geschrieben. (mb)

Abb: Hans Stocker, Pfingsten, Katholische Kirche St. Peter, Büsserach (SO), 1968/69. Foto: Roland Zumbuehl, 2017 Wikimedia   Commons