Unverzeihlich?

Erfolgloser Finanzspekulant, Zwangsarbeiter im Bergbau, Friedhofsverwalter, Bischof von Rom: All das soll gemäss den spärlichen Quellen Kallistus gewesen sein. Mitte des zweiten Jahrhunderts wurde er in einfachen Verhältnissen geboren, stand im Sklavendienst und hatte bei der Verwaltung des Vermögens seines Herren keine glückliche Hand, was ihm die Bestrafung in den Schwefelminen von Sardinien einbrachte. Dank einer einflussreichen Fürsprecherin kam er frei, wurde ein Diakon und mit der Verwaltung der christlichen Begräbnisstätten – den heute noch bekannten Calixtus-Katakomben – betraut. Das machte er offenbar so gut, dass er zum Bischof bestellt wurde und die Geschicke der christlichen Gemeinschaft in Rom für vier oder fünf Jahre leitete. Der Legende nach soll er in einen Brunnen gestossen worden und so als Märtyrer gestorben sein.

Der Hl. Kallistus im Apsismosaik der Kirche Santa Maria in Trastevere in Rom; Bildquelle: Wikimedia Commons
Der Hl. Kallistus im Apsismosaik der Kirche Santa Maria in Trastevere in Rom; Bildquelle: Wikimedia Commons

Kallistus hatte auch einflussreiche Feinde, vor allem die Kirchenlehrer Hippolyt und Tertullian. Für beide war er ein Emporkömmling, zu lebenslustig, viel zu nachsichtig mit ehemaligen Verbrechern, Sünderinnen, und Glaubensabweichlern, der sogar Geschiedenen die Wiederverheiratung und Klerikern eine Partnerschaft erlaubte. Die Kirchenlehrer wollten eine reine Kirche mit strengen Regeln und fest gefügten gesellschaftlichen Normen. Manche Vergehen hielten sie für unverzeihlich.

Kallistus wusste aus eigener Erfahrung, wie übel einem das Schicksal mitspielen konnte, und das liess ihn eine nachsichtige Haltung einnehmen. Er hatte darin Jesus selbst zum Vorbild, dem die Hinwendung zur Lebensfreude ebenfalls vorgeworfen wurde und der sagte: «Geht und lernt, was es heisst: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.» (Mt 9,13) Es ist bemerkenswert, dass die Kirche neben den strengen Kirchenlehrern auch den barmherzigen Papst Kallistus als Heiligen verehrt und ihm am heutigen Tag gedenkt. Sie dürfe noch mehr entsprechend handeln.