Verbindungsstück

Manchmal kommen Menschen zu uns zum Seelsorgegespräch, die extrem unter Druck stehen, sei es wirtschaftlich oder durch körperliche oder psychische Belastung.
Das kann so weit gehen, dass jegliche Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation verloren geht. Zuweilen kommen gar Suizidgedanken auf: Es ist keine Lebensperspektive mehr zu erkennen, und auch das Vertrauen, dass man von Gott gehalten oder zumindest gesehen wird, ist abhandengekommen.

Ein Mensch, der in solcher Situation bei uns war, meinte, der / die Seelsorger:in sei für ihn manchmal ein «Verbindungsstück»: Wenn er selbst die Verbindung zu Gott nicht mehr spüre, sei die Seelsorgeperson wie eine Platzhalterin dafür. Sie vertraue sozusagen stellvertretend für ihn, sei ein Zeichen dafür, dass es vielleicht doch noch Hoffnung gebe. Sie stelle eine Verbindung her, die selbst nicht mehr aufgebaut werden könne.

Vielleicht war damit auch gemeint, dass der Kontakt zu uns als menschliches Gegenüber erlebbar, spürbar ist, während der zu Gott dies eben nicht ist; dass man als Mensch so etwas wie eine Brücke bildet. Und dass man daran erinnert: Es gab in der Vergangenheit mal diesen Halt, dieses Vertrauen ins Leben und zu Gott. Vielleicht kann es das in Zukunft wieder geben!

Mir hat der Begriff „Verbindungsstück“ gefallen, weil er so konkret ist. Ich fühlte mich an die Holzeisenbahn erinnert, die ein Patenkind von mir besass. Wenn man einen interessanten Rundkurs bauen wollte, mussten die Schienenteile zusammenpassen. Am Schluss musste man dann noch das richtige Verbindungsstück finden, damit die Enden zusammenkamen. (mb)

Abb: Brio Deluxe Track Pack Holzeisenbahn. Quelle: www.galaxus.ch