Verschlungene Wege
Im Castlewellan Forest Park nahe der Ostküste Nordirlands gibt es ein Labyrinth, welches aus dreieinhalb Kilometern Hecken besteht. Rund 6’000 Eiben wurden dafür gepflanzt und bis ins Jahr 2007 hielt es den Rekord als weltweit grösstes Heckenlabyrinth. Mit ihm hat es eine besondere Bewandtnis.
Seit den späten 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Nordirland von blutigen Unruhen heimgesucht. Katholische Aktivisten wollten den Anschluss an die Republik Irland, während die protestantischen Unionisten für den Verbleib bei Grossbritannien kämpften. Es folgten Anschläge, Strassenschlachten, Polizei- und Militäreinsätze, die über 3’000 Tote forderten und eine tief gespaltene Gesellschaft zurückliessen. Einen Wendepunkt brachte das Karfreitagsabkommen im April 1998, und schliesslich wich die Gewalt der politischen Debatte.
Als Zeichen für die Hoffnung und den Frieden wurde das «Castlewellan Peace Maze» geplant. Aus dem ganzen Land kamen Schülerinnen und Schüler, Frauen und Männer zusammen, legten die Wege an und pflanzten die Eiben. Über konfessionelle und politische Grenzen hinweg wurde das Labyrinth zu einem Projekt der Versöhnung.
Die verschlungenen Wege machen es schwer, den Weg zur Mitte zu finden. Zum Glück sind die Hecken nicht zu hoch. Die Begehenden können miteinander kommunizieren und einander Hinweise geben. Wer in der Mitte angekommen ist, kann die Friedensglocke läuten. Das Labyrinth macht darauf aufmerksam, dass wir Frieden nicht für selbstverständlich nehmen dürfen, und der verschlungene Weg dorthin nur gemeinsame zu bewältigen ist. Zugleich ist es ein schönes Beispiel dafür, wie gemeinsames Tun dazu beiträgt, alte Konflikte und Wunden zu heilen und ein neues Miteinander zu entwickeln. (jr)
