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Verschwenderisch und vergänglich

Vor meiner Wohnung befindet sich ein Magnolienbaum, der gerade noch in prächtiger Blüte stand, der ganze Baum voll mit faustgrossen weissen und teilweise zartrosa getönten Blüten. Jedes Jahr ist es dasselbe: Noch sind nicht alle Knospen aufgesprungen, da fallen die ersten Blütenblätter schon wieder ab, bald bedecken sie den Boden und werden zu einer unansehnlich bräunlichen Schicht.

Magnolienblüten
Bildquelle: eigenes Foto

Der Baum setzt offensichtlich so viel Energie und Nährstoffe für das Wachstum der Blüten ein und in kürzester Zeit ist der Zauber schon wieder vorbei. Was die Natur da jährlich inszeniert, erscheint wie eine grosse Verschwendung, und die am Boden verrottenden Blütenblätter hinterlassen ein sinn- und trostloses Bild der Vergänglichkeit.

Eine biblische Geschichte kommt mir in den Sinn: Das Volk Israel ist in der Wüste unterwegs und beklagt sich hungrig bei Mose. Gott sendet Manna vom Himmel, welches die Leute sammeln und essen können. Wer es aber für später aufbewahren will, findet nur noch eine verdorbene Masse vor. (Ex 11)

Magnolienblüten und Manna weisen auf die überfliessende Grosszügigkeit von Gott und seiner Schöpfung hin, die sich allerdings weder festhalten noch für später aufsparen lässt. Die Fülle mag dazu verleiten und sogar zu einer Gier nach immer mehr führen. Natürlich gehört es zum sesshaft gewordenen Menschen, Vorräte anzulegen und so Zeiten des Mangels zu überstehen. Doch kann die Mentalität des Habens eine falsche Sicherheit vorgaukeln und in ein ständiges Sorgen um die Zukunft und den Besitz münden. Die üppigen und zugleich hinfälligen Magnolienblüten sind Gottes Hinweis, der Schönheit des Moments Aufmerksamkeit zu schenken und vertrauensvoll zu akzeptieren, dass wir als Teil der Schöpfung in ihre Kreisläufe eingebunden sind. (jr)