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Verstanden, antworten

Beim professionellen Funken im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr oder im Militär gilt eine eiserne Regel: Wer einen Funkspruch empfängt, muss immer zuerst «Verstanden» sagen, dann den Inhalt der gehörten Botschaft kurz wiederholen und erst danach mit dem Wort «Antworten» die eigene Nachricht anfügen.

Diese strenge Funkdisziplin hat einen lebenswichtigen Grund. Wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden, wenn Häuser brennen oder ein Notfall ausbricht, darf kein Raum für Missverständnisse bleiben. Jede Botschaft muss sofort und unmissverständlich in Tat umgesetzt werden. Die Zeit drängt.

Wie ganz anders kommunizieren wir im Alltag. Wenn wir durch die Bahnhofshalle hasten, im Büro Mails tippen oder abends am Küchentisch sitzen, wenden wir diese Regel selten an. Wir wiegen uns in der Sicherheit, dass wir ja genug Zeit haben. Wenn uns der andere missversteht – nun, dann klären wir das eben später. Denken wir zumindest.

Bild: Stained glass inc.

Doch wie oft reden wir im Alltag komplett aneinander vorbei? Wir hören dem anderen schon gar nicht mehr richtig zu, weil wir im Kopf bereits unsere eigene Erwiderung formulieren. Wir senden und senden, aber wir empfangen nicht mehr. Dabei wäre das «Verstanden» auch in unserem Alltag das eigentliche Fundament. Denn ohne das Gegenüber wirklich gehört und erfasst zu haben, ist jede Weiterdiskussion nutzlos. Ohne echtes Verständnis für die Perspektive des anderen wird unser Sprechen zu einem reinen Monolog – es verliert seinen Sinn.

Dass Verständigung trotz aller Unterschiede gelingen kann, feiert die christliche Tradition an Pfingsten. Die biblische Apostelgeschichte erzählt von einem grossen Pfingstwunder. Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen kamen zusammen:

Zitat: «Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen […]. Jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.» (Die Bibel, Apostelgeschichte 2, Vers 4 und 6)

Das Wunder von Pfingsten besteht nicht darin, dass plötzlich alle dieselbe Sprache sprachen. Es bestand darin, dass sie einander verstanden. Der Geist Gottes wirkte hier wie ein himmlischer Funkkanal: Er schuf Nähe, wo Fremdheit war, und öffnete die Herzen fürs Zuhören.

Vielleicht tut es uns auf unseren täglichen Wegen gut, einen Moment lang «Funkdisziplin» im Herzen zu üben. Dem Gegenüber erst einmal das Gefühl zu schenken: Ich habe dich gehört. Ich versuche, dich zu verstehen. Und erst dann antworten. (cw)