Vom Chorgesang des Lebens

Die Nächte werden länger. An dunklen Abenden erinnern Sie sich vielleicht an Menschen, die Ihnen nah waren. An Menschen, die Ihnen fehlen.

Ihr Leben bleibt mit dem Leben dieser Menschen verbunden. Auch mit dem Leben vieler anderen Menschen. Viele Menschen begleiten uns ein Stück auf unserem Lebensweg: ein kürzeres oder ein ganz langes. All diese Menschen machen unser Leben zu einem Chorgesang des Lebens.

Jedes Leben ist komponiert mit unserer Stimme und mit den Stimmen unzähliger Menschen. Jede Stimme ist einzigartig. Einige dieser Stimmen erklingen im Chorgesang des Lebens nur als Zwischenton. Andere bilden mit unserer Stimme schöne Akkordfolgen – oder dissonante. Einige Stimmen erklingen mit unserer Stimme als lange Harmonien oder als Duette.

Wenn eine solche Stimme verstummt, erfahren wir es als Zäsur. Oder als lange Pause. Die Melodie ist traurig. Oder gerät aus dem Takt. Unsere Stimme versagt. Gemeinsam mit anderen Stimmen kann unserer Stimme wieder fester werden.

In unseren Erinnerungen hallen die Stimmen lieber Menschen weiter. Wir können auch glauben und vertrauen: All diese Stimmen, all die Harmonien und Duette verhallen nicht.

Ja, wir sind zerbrechliche, sterbliche Wesen. Doch wir sind noch viel mehr. Wir sind geliebte Menschen unseres Schöpfers und Komponisten von allem. Alle von uns sind Teil seiner ewigen Komposition. Dieses Vertrauen lässt uns vielleicht auch glauben, was in der Offenbarung steht: «Danach hörte ich etwas, das klang wie ein vielstimmiger Chor im Himmel: Halleluja!» (Off 19,1).

Was für eine Hoffnung! Jenseits von dem, was wir wahrnehmen, klingt ein vielstimmiger Chorgesang. Mit allen Stimmen, die wir nicht mehr hören. Gemeinsam singt dieser Chor weiter in ewiger Harmonie.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie besonders an dunklen Abenden etwas erfahren von dieser ewigen Harmonie – in Ihrem weiteren Chorgesang des Lebens.