Wenn Angehörige mitleiden
Viele Kirchen gedenken derzeit der Leidenszeit Jesu. Die Bibel zeigt noch mehr Menschen, die leiden. Die Bibel zeigt auch Angehörige, die mitleiden.
Etwa die junge Witwe: Sie verlässt ihre Heimat, um für ihre verwitwete Schwiegermutter zu sorgen. Oder die vier Männer, die einen Gelähmten zu Jesus bringen wollen; wegen dem Gedränge im Haus, decken sie das Dach ab und lassen die Bahre mit dem Gelähmten zu Jesus hinunter. Oder der verzweifelte Vater; Jesus fragt ihn: Wie lange ist dein Sohn so krank? Der Vater sagt: «Von Kind auf.»
Um was geht es diesen biblischen Geschichten? Ich glaube: Es geht um uns. Diese Geschichten sind doch auch unsere Geschichten. Auch bei uns kümmern sich jüngere Menschen um ältere Menschen. Freunde sorgen für einen Freund. Eltern pflegen ihr krankes Kind. Auch bei uns helfen Menschen selbstlos, packen tatkräftig zu oder leiden jahrelang mit.
Ja, die Bibel zeigt auch die Wunder Jesu. Doch sie zeigt noch mehr: wie Jesus mit den Angehörigen mitleidet. Jesus hört den Menschen, die mitleiden, zu. Er hält ihre Verzweiflung aus, ihre Bitten und Klagen. Jesus unterbricht nicht. Er wertet nicht.
Auch wir können versuchen, mitzuleiden wie Jesus. Als Angehörige und als Christinnen und Christen. Nicht mit Tun. Nicht mit Besserwissen. Nicht mit leeren Worten. Und nicht mit Bedingungen.
Auch wir können Menschen, die leiden, zuhören. Wir können versuchen ihre Verzweiflung, ihre Bitten und Klagen auszuhalten. Wir können versuchen, nicht zu verurteilen und nicht zu werten. Und: Wir können beten. So können wir dasein für einen Menschen, der leidet. Und sein Leiden mit ihm aushalten.
Ich glaube, so erfahren wir manchmal: Auch wenn wir mitleiden mit einem Menschen, der leidet, ist Gott da. Dann erfahren wir: Wir sind getragen und geliebt von Gott – auch wenn wir mitleiden.
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