Vorschriften, Pflichten – und unser Leben
Musliminnen und Muslime beenden in diesen Tagen ihren Fastenmonat. Viele Menschen fragen sich, was denn eigentlich im Christentum beim Fasten gilt? Die Frage hat keine einfache Antwort.

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Jesus stellt keine neuen Regeln auf. Er gewichtet die im Judentum überlieferten Gesetze, legt sie aus und schafft einen Bezug ins Leben der Menschen. Die Jünger haben Hunger, also lässt er sie am Sabbat Ähren vom Feld pflücken – das ist eigentlich gegen das Gesetz. Seine Jünger essen mit ungewaschenen Händen, obwohl auch das strengstens verboten ist. Jesus selbst berührt kranke und unreine Personen und gilt somit selbst als unrein. Das sind nicht nur gewollte Provokationen gegen die religiöse Elite. Das zeigt ein andersartigen Umgang den hergebrachten Regeln und Antworten.
Auch wir heute sind in unseren Religionen und Konfessionen, aber auch in unserer modernen Kultur mit feststehenden Erwartungen und Regeln konfrontiert. Immer wieder passiert es uns, dass wir an diesen Regeln die anderen – oder uns selbst! – messen und beurteilen. Dabei vergessen wir, dass jedes «Tu’ dieses oder mach’ jenes nicht» für eine bestimmte Situation und einen bestimmten Menschen Sinn ergeben muss.
So auch mit dem Fasten. Wenn wir verzichten, um uns auf das Osterfest vorzubereiten oder unsere spirituelle Wahrnehmung zu schärfen, dann zählt nicht das Erfüllen einer Pflicht. Entscheidend ist das, was der Verzicht in unserem Inneren bewirkt, wie wir dadurch die Welt anders sehen, aufmerksam und liebevoller mit anderen Menschen umgehen.