Vorzeitiger Herbst

Wir alle haben unter der Hitzewelle gelitten. Vom Klimawandel ist die gesamte Schöpfung betroffen, Tiere und Pflanzen ebenso wie wir. Vor fünf Tagen berichtete Fernsehen SRF, wie Bäume im Solothurner Jura wegen der anhaltenden Dürre gebietsweise schon jetzt ihre Blätter abwerfen. Auch mir fallen Bäume auf, deren Blätter sich braun verfärben und von den Zweigen lösen. Es entsteht der Eindruck, dass bereits im Sommer der Herbst Einzug hält.

Verdorrte Blätter bereits im Sommer
Verdorrte Blätter bereits im Sommer; eigenes Foto.

Die Lebenskräfte der Natur sind etwas Wunderbares. Jahr für Jahr spriessen die Pflanzen, wachsen, reifen und tragen ihre Früchte. Von dieser Wachstumsfähigkeit ernähren sich alle Lebewesen. Die Menschen nehmen dies meist für selbstverständlich und können in ihrer Masslosigkeit die Natur so sehr ausbeuten, dass diese es nicht mehr schafft, sich zu regenerieren. Eigentlich wissen wir schon lange, dass wir über unsere Verhältnisse leben, den Treibhauseffekt mit fossilen Treibstoffen weiter verstärken und die Natur langfristig schädigen.

Griffige Massnahmen für mehr Nachhaltigkeit zu beschliessen und durchzusetzen fällt offenbar trotz aller Bemühungen schwer. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass es vor allem als Einschränkung und Verzicht empfunden wird. Das löst Widerstände aus, wenn man mit gutem Beispiel vorangehen sollte umso mehr. Es gibt eine andere Sichtweise, die wir von naturnahen Völkern lernen können und die in der Bibel fest verankert ist: das Mitgefühl mit allen lebenden Wesen und die Einsicht, dass sie alle Zeiten der Erholung brauchen. Der Ruhetag im Ersten Testament gilt auch für die Tiere und das Land soll sich durch Brache ebenfalls erholen können. Schlussendlich tut es uns allen gut, den Fuss vom Gaspedal des überhitzten Wirtschaftens zu nehmen und ein gemächlicheres Tempo anzuschlagen. Die Natur und die Menschen, die nach uns kommen, werden es uns danken. (jr)