Was die Konservendose uns lehrt

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Es gibt Dinge, die so gewöhnlich sind, dass wir ihnen kaum Beachtung schenken. Die Konservendose gehört dazu. Heute vor genau 215 Jahren reichte ein Brite das Patent für sie ein. Die Konservendose steht für gewöhnlich im Vorratsregal, meist im Dunkeln, unscheinbar, verschlossen. Doch wenn der Tag kommt, an dem wir nichts Frisches mehr im Haus haben, greifen wir erleichtert nach ihr und freuen uns, doch etwas Essbares auf den Tisch zu bekommen. Ich erkenne durchaus Parallelen zum Leben und Glauben. Die Tage des Überflusses machen Menschen bequem. Wenn alles immer verfügbar ist, verliert man den Blick dafür, dass es in dieser Welt eben nicht selbstverständlich ist, immer zu Essen zu haben, sich an schönen Dingen erfreuen zu können oder gesund zu sein. Wenn weniger schöne, schwierige Zeiten kommen, dann zeigt sich erst, was Menschen im Herzen eingelagert, was wir dort «konserviert» haben.

Vielleicht ist es so wie mit einem alten Brief von einer Freundin, den man irgendwo abgelegt hat. Oder das Foto in der Schublade, das einen an einen besonderen Moment erinnert. Man braucht es nicht jeden Tag, aber wenn es einem nicht gut geht, holt man es hervor. Und plötzlich ist da ein Gefühl von Wärme. Glaube funktioniert oft ähnlich. Er lebt von dem, was wir uns ins Herz legen und was wir praktizieren, seien es Momente der Stille, Gebete, Erfahrungen mit Gott, Meditation. Manchmal läuft das nebenbei ab. Bis Momente kommen, in denen uns die Glaubenserfahrungen plötzlich tragen. Jesus sagte einmal: «Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde (…) sondern sammelt euch Schätze im Himmel (…) Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.» (Mt, 6,19ff) Und so lehrt uns die Erfindung der Konservendose, dass es sich lohnt, unser innerliches Vorratsregal anzufüllen: um für das, was kommt gerüstet zu sein. Es gilt heute so zu leben, dass das Herz morgen Nahrung hat. Denn was wir im Herzen bewahren, kann in der Not zum Segen werden.